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Zum Kinostart von »Spectre«

Gründe, warum Daniel Craig (nie) wieder Bond spielen sollte

Daniel Craig erklärte unlängst, nach »Spectre« wolle er nie wieder Bond spielen. Heute startet der 24. Film mit dem Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät. Lars Tuncay fragt sich: Braucht die Welt Daniel Craigs Bond noch?
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Anfang Oktober erklärte Daniel Craig, dass er sich lieber die Pulsadern aufschlitzen würde, als noch einmal James Bond zu spielen. Abgesehen davon, dass diese Aussage als PR für den nur den am 5. November startenden 24. Bond-Film »Spectre«  seltsam anmutet, hat Craig längst unterschrieben, bis zum 25. Bond an Bord zu bleiben. Zudem ist Craig bei »Spectre« auch erstmals als Produzent der Serie tätig und wird sich die Zukunft wohl angesichts des erfolgreichsten Kinostarts aller Zeiten in Großbritannien und anderswo noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Aber würde uns ohne Craigs Bond überhaupt etwas fehlen? 


001 Mit dem Frauenbild des Doppelnullagenten will sich Craig keineswegs identifizieren Er bezeichnete Bond als »sexist douchebag« und erklärte, der Agent sei eigentlich ein »misogynist«, der die Frauen verachte. Wenn wir jetzt in »Spectre« mit ansehen müssen, wie Craig mit geschürzten Lippen Monica Bellucci und Lea Seydoux flachlegt, sorgt das anno 2015 eher für Fremdscham.

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Daniel Craigs James Bond ist chronisch humorlos. Man muss schon sehr genau hinsehen, ob sich in Craigs Gesichtszügen in den 148 Minuten Laufzeit von »Spectre« überhaupt etwas regt. Ben Wishaw hat als Q derweil alle Lacher auf seiner Seite und macht sich auch im Nahkampf nicht schlecht. Vielleicht wäre es Zeit für ein Spin-Off mit dem Geheimgeek Ihrer Majestät als Hauptfigur.

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Wenn Moriarty den britischen Geheimdienst übernimmt, um einen Überwachsungsstaat zu installieren, sollte man vielleicht besser in der Baker Street anrufen, statt einen Agenten auf ihn anzusetzen. Andrew Scott verkörpert C, den Chef des MI5, der das Doppelnullprogramm am liebsten ganz tief unten im Keller bei den Booten begraben würde, so als hätte er das Craig-Interview gelesen. 

004 Christoph Waltz als Oberhauser ist Bond immer einen entscheidenden Schritt voraus. Seit Gert Fröbes »Goldfinger« gab es keinen dermaßen perfiden Psychopathen in der 007-Reihe. Dessen Vita reicht weit in die Geschichte der Serie zurück und fügt sich perfekt in den Kanon der bisherigen Craig-Trilogie ein. Mit so einem Gegenspieler dürfte Craig auch beim 25. Bond noch Spaß haben. 

005
 In Sachen Coolness macht Daniel Craig so schnell keiner was vor. Egal ob er aus den Trümmern eines einstürzenden Hauses in Mexiko City tritt, am Fallschirm nach der High Speed-Verfolgungsjagd in Nobelkarossen auf den Straßen von Rom landet oder einem Flugzeugwrack im österreichischen Skigebiet entsteigt: Die Frisur sitzt ebenso perfekt wie die Garderobe von Tom Ford. Die Fans lieben es, Craig selbst ist davon latent genervt, wie er zu Protokoll gab: »Als Schauspieler ist es mir scheißegal, wie ich aussehe. Bei Bond ist es das Gegenteil. Es ist extrem wichtig, wie er einen Anzug trägt und einen Raum betritt. Das ist ein echter Kampf.« 

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 Ist Bond in seiner aktuellen Form überhaupt noch zeitgemäß? Die Welt ist eher mit Abgasnormen beschäftigt als mit spritfressenden Sportwagen. Der Kalte Krieg, aus dem Ian Fleming die Figur 1953 auferstehen ließ, ist vorbei. Aber gerade jetzt – das zeigt auch die Superhelden-Welle der letzten Jahre – braucht die Filmwelt einen Helden und zwar am besten einen mit Stil. Wenn nicht Daniel Craig, wen dann?