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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

»Grand Budapest Hotel«

Wes Andersons »Grand Budapest Hotel« ist ein langsam verfallendes Monument aus vergangenen Zeiten, in denen längst nicht alles besser war als heute. Der Film über das erfundene Bauwerk ist eine bunte, bis ins Detail geplante Slapstick-Revue, so realistisch wie der große weiße Hase Harvey.
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Film der Woche

 

»Grand Budapest Hotel«

 

Der halb schelmische, halb staunende Blick des »Lobby Boy« Zero Mustafa in Wes Andersons »Grand Budapest Hotel« könnte bei manchem Zuschauer Erinnerungen wachrufen. Da gab es doch mal diesen Film mit vielen Slapstick-Einlagen, der ebenfalls in Osteuropa spielte, in dem der alte Professor – ja, genau, er hieß Abronsius – und sein Assistent Alfred auf ähnliche Weise durch Schlösser und Schneeberge tobten wie Zero und sein Vorgesetzter, der Concierge Monsieur Gustave. Nur dass die Bösewichte in Roman Polanskis »Tanz der Vampire« (1967) untote Blutsauger waren, keine Nazis in Fantasy-Kostümen, wie sie sich im »Grand Budapest Hotel« den von Tony Revolori und Ralph Fiennes verkörperten Hauptfiguren entgegenstellen.


Überhaupt ist Andersons Geschichte eine völlig andere als die von Polanski. Aber Zeros Blick! Ganz der junge Polanski, der in »Tanz der Vampire« selbst den ungeschickten Alfred mimte. So müssen die Nachbilder eines Cineasten aussehen, wenn er im Traum die Augen schließt. Und Wes Anderson ist sowohl ein Cineast als auch ein Träumer, irgendwie.

Die Realität außerhalb des Kinos trägt in Andersons Filmen seit »Die Tiefseetaucher« (2004) immer auffälligere Verkleidungen. In »Rushmore« (1998) kam der Vietnam-Krieg noch in einer Schulaufführung und damit als Inszenierung innerhalb der Inszenierung vor, in »Moonrise Kingdom« (2012) wurden aus den realen Büchern, die Anderson selbst als Schüler verschlang, jene phantasievoll erfundenen Kinderbücher, die sich die Kids auf der Flucht gegenseitig vorlesen, in »Grand Budapest Hotel« nun macht das Skript aus der SS-Einheit die schrille Zig-Zag-Division.


Und warum? Die feine Erzählebenen-Architektur schickt dich bei der Suche nach der Antwort in viele schön ausgestattete Sackgassen: »Grand Budapest Hotel« ist Stefan Zweigs Literatur gewidmet, der Schriftsteller im Film wiederum erzählt von der Kunst, eine Geschichte zu erzählen, und im Rahmen der Filmhandlung schließlich berichtet der alt gewordene Zero Mustafa aus seiner Jugend, in der das Hotel noch in voller Blüte stand und der Weltkrieg sich anbahnte. Bis der Zuschauer nur noch weiß, dass er sich in der Welt von Wes Anderson befindet.


Die Kulissen und Requisiten dieser Welt sind dermaßen überkandidelt, wie man sich den Geschmack der allgegenwärtigen Törtchen des Konditors Mendl vorstellt, skurrile Ortsnamen wie Baden-Jürgen oder Lutz sind vor allem für das deutschsprachige Publikum witzig, die wahrhaft irritierenden Momente allerdings sind so zahlreich wie die Frauenrollen: Neben Saoirse Ronan und Tilda Swinton bilden Bill Murray, Willem Dafoe, Jude Law, Owen Wilson, Jason Schwartzman und Edward Norton den mal wieder hauptsächlich männlichen Cast.


Und trotzdem gibt es eine verstörende Szene: Monsieur Gustave erklärt dem Lobby Boy auf der Flucht vor den Nazis, unter welchen Voraussetzungen er als Migrant ein vollwertiges Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft sein kann. Und das lässt dich vielleicht ähnlich aufgewühlt zurück wie der Black Panther-Gruß in Andersons Animationsfilm »Der fantastische Mr. Fox« (2009), weil es so ernst und wirklichkeitsgetreu aus einem Film heraussticht, der Authentizität ansonsten vermeidet und die eigene Künstlichkeit betont.

(Wolfgang Frömberg)

 

 

Auf der nächsten Seite: weitere Trailer und Filmstarts der Woche

»300: Rise Of An Empire«

 

Mit einem Budget von satten 110 Millionen US-Dollar ausgestattet, zeigt die Fortsetzung des Historien-Action-Blockbusters »300« erneut die ganze Palette der Green-Box-Technik, wenn auch Wow-Effekte und übernatürliche Einflüsse deutlich weniger als noch bei der Graphic-Novel-Adaption »300« eine Rolle spielen. Das späte Sequel feiert erneut Schlachtengemetzel und Heldenepen und legt den Fokus dabei klar auf die visuellen Bedürfnisse seiner Zielgruppe.

 

 

 

 

 

»Beltracchi - Die Kunst der Fälschung«

 

Der mittlerweile zu zweifelhaftem Ruhm gelangte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi erhält einen landesgeförderten Dokumentarfilm über sein Leben und Wirken. Der Filmemacher Arne Birkenstock, Sohn des Anwalts von Beltracchi, möchte in seiner Dokumentation eher in den öffentlichen Applaus für einen vermeintlich mutigen Schelm mit einstimmen, als die offenen Widersprüche des Falls in der Tiefe zu untersuchen.

 

 

 

 

 

»Saving Mr. Banks«

 

Disney lässt John Lee Hancock einen Teil seiner eigenen Studiogeschichte verfilmen und gleichzeitig die Geschichte der Verfilmung des Romanklassikers »Mary Poppins« von P. L. Travers. Emma Thompson als willensstarke Frau der direkten Ansprache spielt sie in dieser stark besetzten, dramatischen Komödie gegen Tom Hanks als Walt Disney an, der seinen Töchtern die Verfilmung ihres Lieblingsbuches versprochen hat.

(Sven Riehle)