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»Bloodlight And Bami« auf DVD und Blu-ray

Grace Jones – Die Frau, die vom Himmel fiel

Sophie Fiennes’ Dokumentarfilm über Grace Jones zeigt die unermüdliche Künstlerin auf Tour – und bei einer Reise nach Jamaika. Ein intimes Porträt ohne Schlüssellochmomente.

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Grace Jones hatte ihre erfolgreichste Zeit in den 1980er-Jahren – mit Alben wie »Warm Leatherette« und »Slave To The Rhythm« und einer Rolle im James-Bond-Film »Im Angesicht des Todes«. Aber im filmischen Porträt von Sophie Fiennes, »Bloodlight And Bami«, besticht die in Jamaika geborene Außerirdische, die in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, weniger durch ihre künstlerische Vergangenheit als durch ihre faszinierende Gegenwart. Jones nimmt jeden Raum für sich ein, sobald sie ihn betritt, und sie verhält sich vollkommen ungezwungen vor der Kamera. Das dürfte zwei Gründe haben: 1. Ein gewisser Sinn für Inszenierung ist ihr durch die Jahrzehnte auf der Bühne so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie die Kontrolle über die Bilder von sich behält. Auch dann noch, wenn sie gar nicht über sie zu bestimmen scheint und etwa freimütig von ihrer schwierigen Kindheit erzählt. 2. Sie scheint vollstes Vertrauen zur Filmemacherin Fiennes gefasst zu haben, die sie einige Jahr lang vor und hinter den Kulissen ihrer Shows begleitete. So wird deren Dokumentarfilm zur unaufdringlichen Nahaufnahme. In vielen vertrauensvollen Momenten macht »Bloodlight And Bami« deutlich, dass Jones sich im Alltag nie zurückziehen kann, weil sie als Geschäftsfrau und Managerin, als Künstlerin und als Mensch rund um die Uhr gefragt ist. Für immer eine Sklavin dieses unerbittlichen Rhythmus, richtet sie den Blick ständig nach vorne. Und wenn von einem Früher die Rede ist, dann vom Großvater, der sie mit dem Lederriemen zu bestrafen pflegte. Eine brutale Form der Fremdbestimmung, die sie hinter sich lassen konnte.

»Bloodlight And Bami« erzählt popmusikalische Geschichte. Im Sound von Grace Jones finden Reggae und Disco auf hypnotische Weise zueinander. Die Aufnahmen der Live-Shows mit prägnanten Songs aus ihrer Laufbahn schlagen wiederum den Bogen zur Biografie. Grace Jones Texte handeln von der Kaputtheit des Lebens, denn davon weiß sie mehr als ein Lied zu singen. Nachdem man erfahren hat, was ihr Großvater ihr antat, dürfte klar sein, woher Titel wie »Warm Leatherette« stammen. Und als Grace Jones sich mit ihrem Großvater vergleicht, dämmert einem auch, dass jede Emanzipation von höllischen Verhältnissen ein Stück dieser Hölle in sich trägt. So kann man im Film dabei zusehen, wie Sophie Fiennes und nicht zuletzt Grace Jones selbst zahlreiche Schichten einer Kunstfigur freilegen, die für ihre androgyne Ausstrahlung und die afrofuturistischen Kostüme bekannt ist – ohne letzte Geheimnisse preiszugeben und damit die Haut eben dieser Grace Jones wie die eines gewöhnliches Prominenten zu Markte zu tragen. Fast schon paradox: Ein intimer Dokumentarfilm über einen wahren Star.

Sophie Fiennes

Grace Jones - Bloodlight And Bami [Blu-ray]

Release: 09.03.2018