×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Gib dem Mythos Futter

Notorious B.I.G.

Regisseur George Tilman jr. gelingt das Kunststück, sich bei seinem Biopic an dem Schwergewicht nicht zu verheben.
Geschrieben am
Seine Ermordung war bigger than life, Christopher Wallace a.k.a. Notorious B.I.G. war jedoch bereits zu Lebzeiten eine Legende. Regisseur George Tilman jr. gelingt das Kunststück, sich bei seinem Biopic an dem Schwergewicht nicht zu verheben.

Nichts ist mythischer in der Popgeschichte als der frühe Tod eines großen Talents – das gilt auch im HipHop. Doch wo in anderen Erzählungen die Drogen oder der tragische Unfall den Status des Pophelden in unermessliche Größen erweitern, knallen bei US-Rappern, so will es das Klischee, auch mal die Kanonen.

Klischees beinhalten allerdings oft einen Funken Wahrheit. So ist es auch bei Biggie Smalls a.k.a. Christopher Wallace, der, glaubt man seiner Mutter und Produzentin dieses bombastischen Biopics, Voletta Wallace, in der Grauzone zwischen vaterloser Unschuld und diversen Labelverschwörungen, Gangsta-Image und naivem frühen Platinerfolg bei einem Drive-by-Shooting ums Leben kam. Dazwischen stehen kreative Freundschaften mit Tupac (Anthony Mackie) und Puff Daddy (Derek Luke), Liebesgeschichten mit Lil’ Kim (Naturi Naughton) und Faith Evans (Antonique Smith) sowie eine Handvoll bis heute zeitloser New-Rap-Hits, was Regisseur George Tilman jr. alles in allem gelungen in Szene gesetzt hat, primär wegen des zwingenden Castings.

Neben Angela Bassetts respektvoller Hommage an Biggies Mama ist es vor allem der Schauspieler-Newcomer und Rapper Jamal Woodlard, der im Ensemble punktet, weil er die legendäre Hauptfigur mit Glaubhaftigkeit und täuschend guter Mimesis in Sachen MCing und Körpersprache auf die Leinwand bringt. Doch das hier ist nicht ''The Wire'', wo Pathos und Glamour runtergespielt werden, um Credibility beim TV-Publikum zu sammeln und das Drama auf diverse Kapitel zu verteilen. This is fucking Hollywood, wo jede noch so vielschichtige Lebensepisode wie ein 5-Minuten-Clip gleiten muss, gerade im HipHop-Game, dessen bevorzugtes visuelles Erzählformat der Videoclip ist, nicht der Kinofilm. Deswegen wissen wir natürlich auch nach dem Abspann nicht unbedingt, wie oder wer es wirklich war.



Der bis heute im Mordprozess prominent auftretende Death-Row-Labelboss Suge Knight schwebt eher wie ein dunkler Schatten über dem Film, als dass er als möglicher Täter im Mordfall dargestellt würde. Das Biopic liefert eher den Stoff zur Legende, der den Menschen neben dem Gangster und Star zeigen sollte – so seine Mama. Spannend wie ein Thriller ist das trotzdem, besonders für Fans. Für den Mordprozess soll hingegen ein eigener Film geplant sein, um dessen Rechte sich auch Sylvester Stallone bemüht hat. Bis dahin muss der Mythos reichen, was aber nicht schlimm ist. Für gute Abendunterhaltung, ein bisschen Nachhilfe in Sachen Eastcoast versus Westcoast, pumpenden Soundtrack und einen etwas anderen amerikanischen Traum sorgt ''Notorious B.I.G.'' auf souveränem Niveau.

Notorious B.I.G. (USA 2008; R: George Tilman jr.; D: Jamal Woodlard, Anthony Mackie, Angela Bassett; Fox Home)