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Blöd gelaufen, gut geschrieben

George Watsky im Gespräch

Kunst kommt nicht von Können, die Kunst des Scheiterns erst recht nicht. George Watsky erzählt in seinem ersten Geschichtenband »Wie man es vermasselt« sehr gekonnt und persönlich aus der Welt der Missgeschicke. Nur eine spezielle Dummheit lässt er unerwähnt. 
Geschrieben am
George Watsky kennt sich verdammt gut aus in der Disziplin des Vermasselns. Der Rapper und Poetry Slammer, der nun auch sein Talent als Geschichtenschreiber unter Beweis stellt, hat vor vier Jahren Scheiße gebaut – aber so richtig! Bei einem Konzert im Londoner Alexandra Palace schien er den Weltrekord im Stagediving aus schwindelerregender Höhe aufstellen zu wollen. Er setzte so weit über den Köpfen der Menge zum Sprung an, dass seine Frage »Have you got my back?« unten entweder nicht ankam oder dort bloß für blankes Entsetzen sorgte. Statt ihn aufzufangen, suchten seine Fans lieber das Weite. Eine Zuschauerin brach sich den Arm, der Künstler selbst blieb ebenfalls nicht unversehrt.
Die Episode über besagten Todessprung fehlt allerdings in seinem literarischen Debüt »Wie man es vermasselt«. Auch in Zukunft dürfte er die Erinnerung an die verunglückte Performance eher nicht vertiefen wollen – obwohl man davon ausgehen kann, dass Watsky sein schriftstellerisches Pulver mit den Geschichten vom Scheitern längst nicht verschossen hat. »Ich träume davon, Romane zu schreiben und diese dann in Drehbücher umzuwandeln«, erklärt er. »Irgendwann will ich mich aber vom autobiografischen Material lösen. Nick Cave ist eine Inspiration für mich – wie er von der Musik zu einem Buch oder irgendetwas anderem wechselt.« Watsky möchte sich also weder auf eine Form festlegen noch als Sklave der eigenen Biografie enden.

Im Vergleich zu seinem Vorbild Cave versprüht Watsky in den Erinnerungen an Kindheit, Jugend und seine zweifelhaften Versuche des Erwachsenwerdens viel Humor. Es liest sich äußerst amüsant, wie der Ich-Erzähler mit einem Kumpel einen Narwal-Stoßzahn aus Kanada in die USA schmuggelt, um einer hundertjährigen Dame mit einem Faible für Nippes und Elfenbein ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Nein, die Storys hat er wahrlich nicht vermasselt. Beim Lesen vergeht die Zeit wie bei einem Sprung aus fünf Metern Höhe. Watsky schreibt Bekenntnisliteratur statt Befindlichkeitspop. Und autobiografische Texte wie jener, in dem er von seinem ersten Battle-Rap erzählt, der sich gegen den Lehrer wendet, weisen stets über das eigene Leben hinaus. Watskys Geschichten sind sogar besser als seine Songs, er sollte dabei bleiben. Doch daraus wird wohl nix: »Am liebsten möchte ich mein Leben lang zwischen allen Kunstformen hin und her springen«, so Watskys Pläne. Hauptsache, er nimmt das mit dem Springen nicht wieder so irre wörtlich. Wünschen wir ihm für den weiteren Verlauf seiner Karriere mal Hals- und Beinbruch – und dass es immer genug Jalapeños zu den Nachos gibt.

George Watsky

Wie man es vermasselt

Release: 23.08.2017

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