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im Kino: Die Supernase lebt!

Gainsbourg

Liebe ist ... in diesem Fall ein Mythos? Sowohl die Behauptung von Joann Sfars unkonventioneller Gainbourg-Bio darf bezweifelt werden.
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Liebe ist ... in diesem Fall ein Mythos? Sowohl die Behauptung von Joann Sfars unkonventioneller Gainbourg-Bio, die da lautet: "Der Mann, der die Frauen liebte", als auch die Vermutung, die Frauen hätten dem Macho zu Füßen gelegen, darf bezweifelt werden. Von Gabriele Scholz.
 
Warum lagen Serge Gainsbourg eigentlich so viele Frauen zu Füßen – so, wie sich das versoffene Arschloch Zeit seines Lebens verhalten hat? Vielleicht kann "Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte" Auskunft geben. Der Anfang ist vielversprechend: Ein frühreifer Junge fragt ein Mädchen, ob er ihre Hand halten darf. „Nein, du bist zu hässlich!“ Dann morpht die Szene in einen virtuosen psychedelischen Comicstrip des Regie-Debütanten Joann Sfar. Et voilà, schon freuen wir uns begeistert auf ein augenscheinlich unkonventionelles Biopic über ein angeberisches Genie.

Frankreich, 1941. Der junge Gainsbourg hat gerade seinen Judenstern abgeholt, als er an einem Plakat mit einer antisemitischen Karikatur vorbeiläuft, die – wie herrlich meschugge – lebendig wird. Im Verlauf des Films entwickelt sie sich zum Freund und Alter Ego. Die imaginäre Figur "La Gueule", was so viel wie "die Visage" bedeutet, wird gespielt von Verkleidungskünstler Doug Jones. La Gueule verführt Serge, Frauen zu verführen, und verleitet ihn, die Bourgeoisie auf jede erdenkliche Art, und besonders gern mit unsittlichen Liedern, zu schockieren. Auftritt: Eric Elmosnino. Der Schauspieler wirkt wie der wiederauferstandene Gainsbourg! Chapeau vor dem Maskenbildner für die Zinkenprothese!



Damit nicht genug. Die Lieder Gainsbourgs interpretiert Elmosnino so unglaublich gut, dass sie von dem Original kaum zu unterscheiden sind. Weiterer Höhepunkt: France Gall erscheint in Begleitung ihres Mentors und Vaters. Serge möchte ihr gerne ein versautes Liedchen komponieren. "Deine Arbeit ist schlecht, wenn sie deinen Eltern gefällt", flüstert er ihr ein. Allein deshalb möchte man sich den Film gleich noch einmal anschauen, obwohl er zum Ende hin etwas abflacht. Das liegt wohl daran, dass auch der unbelehrbare Gainsbourg am Lebensabend ganz schön abgebaut hat.

Nach dem Finale weiß man immer noch nicht so richtig, wer Gainsbourg war und warum er bei vielen Frauen so gut ankam. Allerdings verlässt man den Kinosaal bestens gelaunt, bereit für die nächste amour fou – und garantiert mit einem französischen Liedchen auf den Lippen.


"Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte"
(F/USA 2010; R: Joann Sfar; D: Eric Elmosnino, Lucy Gordon, Laetitia Casta; 14.10.2010)