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Marcin Podolec belebt Subkultur

»Fugazi Music Club«

Mit seiner Graphic Novel »Fugazi Music Club« ruft Marcin Podolec einen wichtigen Subkultur-Ort Warschaus ins Gedächtnis. Bastian Küllenberg sprach mit dem jungen, polnischen Autor über sein Werk.
Geschrieben am
Ein kleiner Freiraum in einem zubetonierten, vom Zerfall bedrohten Gesellschaftssystem. Der »Fugazi Music Club«, dem Marcin Podolec in seiner gleichnamigen Graphic Novel ein äußerst lebendiges Denkmal setzt, war in den frühen 90ern in Warschau der wichtigste Tummelplatz der Subkultur. Aus eigener Erfahrung kennt der Autor und Zeichner die chaotische Konzertatmosphäre der von einigen jungen Musikliebhabern betriebenen Venue nicht. Das Fugazi öffnete 1991 und damit im selben Jahr, in dem Podolec geboren wurde.
Den Hauptteil der Recherche bildeten Treffen mit Gründer Waldek Czapski. Vielleicht ist es ein Vorteil, dass hier kein direkter Zeitzeuge für die Umsetzung zuständig war, denn mit verklärter Nostalgie hat »Fugazi Music Club«, dessen Name sich sowohl auf das Marillion-Album als auch die legendäre Emo-Band bezieht, wenig gemein. Stattdessen wird ein mutiger DIY-Geist lebendig, zeichnen kleine Episoden aus dem abenteuerlichen Club-Alltag ein größeres Bild von Polen zu Beginn der dritten Republik.   

Du wurdest im selben Jahr geboren, in dem das Fugazi zum ersten Mal eröffnete. Wie bist du darauf gekommen, den Club zum Thema einer Graphic Novel zu machen?
Marcin Podolec: Ich suchte nach einem Thema mit Musikbezug und ich dachte eigentlich an ein graphisches Interview. Eines Abends im Januar 2013, als ich grade einen Film von Quentin Tarantino guckte, rief mein polnischer Verleger an und erzählte mir vom Fugazi und seinem Gründer Waldek Czapski. Außerdem sagte er, dass die Geschichte etwas vom Stil Tarantinos habe. Es war daher also Schicksal, denke ich.

Kanntest du das Marillion-Album »Fugazi« und die Band mit demselben Namen, bevor du mit dem Comic begonnen hast?
Ja, selbstverständlich. Zudem hörte ich während meiner Schulzeit viele polnische Rockbands aus den 90ern. Es hat mir großen Spaß gemacht, sie dann im »Fugazi Music Club« zu portraitieren. Der Club war ein sehr wichtiger Ort für diese Bands. 

Was hat das Fugazi zu so einem besonderen Ort gemacht?
Es war wie Teenagerliebe: sehr intensive, heftig, schnelllebig und unglücklicherweise auch zerstörerisch. Der Laden steckte voller Schattenseiten und Nachteile, aber das hat keinen gestört.
Wie bist du vorgegangen, um die Geschichte des Clubs zu recherchieren?
Der Hauptteil waren Treffen mit Waldek Czapski, der Hauptfigur der Story. Das war fantastisch. Er erzählte mir viele Geschichten und fertigte sogar simple Skizzen an. Es gibt außerdem eine Facebook-Seite, wo Menschen alte Fotos aus dem Club hinschicken können. Wie bereits erwähnt, war ich ein großer Fan lokaler Rockbands der 90er, und mochte zudem auch polnische Filme aus dieser Zeit sehr. Es fiel mir daher leicht, mir die Szenerie vorzustellen. Im letzten Schritt habe ich dann in Archiven nach alten Fotos von Warschau zu dieser Zeit gesucht.
 
Gibt es heute vergleichbare Clubs wie das Fugazi in Warschau?
Interessanterweise hat Waldek nach Erscheinen meiner Graphic Novel entschieden, dass er es noch einmal mit dem Fugazi probieren möchte. Er hat einen Club in den Räumen einer alten Grundschule eröffnet und versucht aktuell ihn bekannter zu machen. 

Gibt es schon neue Projekte, denen du dich seit »Fugazi Music Club« gewidmet hast?
Vor drei Tagen habe ich meine neue Graphic Novel beendet. Sie heißt »The Smoke« und ist ein 190 Seiten langes, graphisches Interview mit Pablopavo, einem sehr guten polnischen Musiker. Er fing als Reggae-Sänger an, aber in den letzten sechs Jahren hat er seinen Stil sehr geändert und klingt heute eher nach Bob Dylan oder Johnny Cash. Es ist eine universelle Geschichte über mangelndes Selbstvertrauen und teilweise auch wieder über Musik, harte Arbeit, Drogen und die 90er in Polen.

Marcin Podolec

Fugazi Music Club

Release: 14.01.2016