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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit leeren Händen

Eine Welt ohne Smartphones

Die Fotoserie »Removed« des Fotografen Eric Pickersgill zeigt besser als jede Statistik, welche Auswirkungen Smartphones und Tablets auf unser soziales Leben im Alltag haben. 
Geschrieben am
Die Schwarz-Weiß-Bilder der Fotoserie »Removed« zeigen scheinbar gewöhnliche Alltagssituationen- eine Familie am Esstisch mit Smartphones und Tablets oder zwei Freunde die mit Handy in der Hand vorm Grill stehen. Doch ein entscheidendes Detail fehlt: das Smartphone oder Tablet. 
Der Schlüsselmoment begegnete Eric Pickersgill beim morgendlichen Kaffee im Örtchen Troy im Bundestaat New York: »Eines Morgens habe ich in einem Café diese Familie beim Frühstücken beobachtet. Sie waren zwar alle am selben Ort, haben aber sich anderen Menschen und Orten gewidmet. Vielleicht war es das Licht, oder auch die Mutter, die kein technisches Gerät genutzt hat, was mich dazu inspiriert hat, die Szene als Foto wahrzunehmen. Ich habe dieses Bild in dem Moment nicht gemacht, aber in meinen Gedanken existiert es für mich als ein sehr emotional aufgeladenes Bild.«  

Die Idee, die Personen ohne ihr technisches Gerät zu fotografieren, kam Pickersgill jedoch erst durch sein eigenes digitales Verhalten: »Eines Nachts bin ich wieder meinen alten Gewohnheiten verfallen. Ich benutzte mein Telefon neben meiner Frau im Bett obwohl ich den Moment der Einsicht ja schon in dem Café hatte. Meine Augen fielen langsam zu während ich meine Mails checkte. Ich wachte auf, als mein Handy den Boden traf. Bevor ich mich beugte, um es aufzuheben, schaute ich mir meine greifende Hand an, die an der Seite des Betts weilte und immer noch aussah, als ob sie mein Handy halten würde.«  

Trotzdem möchte der Fotograf nicht den moralischen Zeigefinger heben: »Du solltest dir bewusst sein, wie viel Zeit du mit deinen Geräten verbringst. Wenn du beabsichtigst, sie in der Öffentlichkeit zu nutzen und es dir egal ist, dass du dich anderen entfremdest, solltest du es machen. Ich persönlich brauche eine Erinnerung, um damit aufzuhören, weil es eine Sucht ist. Die Bestätigung, die wir mit diesen Dingen erhalten, fühlt sich gut an, deshalb brauchen wir immer mehr davon.«  

Eric Pickersgill ist Dozent an der University of North Carolina, an der er letztes Jahr seinen Master absolviert hat. Er möchte seine Reihe Removed auch analog in Galerien ausstellen. Für seine Fotografien hat er eine 4x5 Monorail Kamera benutzt.

Alle Bilder der Serie 
»Removed« können hier gefunden werden.