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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kitchen Sink Cinema

»Fish Tank«

Mia (Katie Jarvis) ist 15 und lebt in einem „sink estate“ in Essex, einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit, Kleinkriminalität und sozialer Verwahrlosung. Ihre Mutter hat eine echte Abneigung gegen die Tochter, ihre kleine Schwester nennt sie cuntface, und Connor, der neue Freund der Mutter, macht ihr unschickliche Avancen. 
Geschrieben am
Mia hat das Gefühl, zu ersticken. »Sink estate« erinnert an »kitchen sink cinema«. Seit den 60ern ist diese Art von Film eine Spezialität des britischen Kinos: brutale und ehrliche Filme vom Rand, authentisch und mit einem Schimmer Hoffnung. Ihre Hauptfiguren haben meist irgendetwas, das sie für kurze Zeit die Tristesse und den ganzen Mist vergessen lässt: In Ken Loachs zweitem Spielfilm »Kes« (1969) war es ein Falke, in Andrea Arnolds »Fish Tank« ist es HipHop-Dance.

Doch handelt es sich nicht um eine mit Handkamera angegrittete Neuverfilmung von »Billy Elliot« oder gar »Step Up«. Armut bzw. Unterschicht werden hier nicht pittoresk-romantisch inszeniert. Der Film erzählt keine Lügen vom Weg nach oben. Der anti-klimaktische Höhepunkt, ein Vortanzen, findet nicht in einem lichtdurchfluteten Studio, sondern in einer schummrigen Stripkaschemme statt. Manchmal kann der Topf Gold am Ende des Regenbogens auch voller Scheiße sein. Hoffnungslos ist »Fish Tank«, wie jeder Film, der sich für Menschen und ihr Leben und ihre Sehnsüchte interessiert, trotzdem nicht. Zwar ist das stille Finale mit Nas unterlegt: »Life’s a bitch, and then you die.« Aber »Fish Tank« stellt die Frage: Stimmt das wirklich – sind wir wirklich die Zierfische der Götter?

Fish Tank

Release: 16.02.2017