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Ameisen Im Rucksack

»Firewatch«

Ein Sommer in den Wäldern: Das Mystery-Adventure »Firewatch« sorgt mit seinem umwerfenden Design-Konzept schon seit gut zwei Jahren für aufgeregte Vorfreude. Ob sich hinter der tollen Präsentation auch erzählerische Substanz verbirgt, darf nun endlich jeder selbst in Augenschein nehmen.
Geschrieben am
Lauwarme Abende am See, ausgedehnte Wanderungen in die malerischen Täler und lange Nächte an der Schreibmaschine. So in etwa muss sich Henry seinen Sommerjob als Brandwache im Shoshone Nationa Forrest ausgemalt haben, als er sich dazu entschloss, den erdrückenden Problemen seines Alltags für einige Wochen zu entfliehen. Dumm nur, dass einsamen Menschen in abgelegenen Wäldern selten etwas Gutes widerfährt. So wird auch Henrys Idylle alsbald durch rätselhafte Ereignisse getrübt, denen es auf den Grund zu gehen gilt. Dabei steht ihm glücklicherweise die etwas vorlaute, aber durchaus liebenswerte Parkwächterin Delilah zur Seite.

»People take this job to get away from something. So what's wrong?«

Delilah ist gut sechs Meilen nördlich von Henry postiert, geht ihrem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis allerdings unentwegt per Walkie Talkie nach. Schon bald entspinnen sich pointiert geschriebene und lebhaft synchronisierte Dialoge zwischen den beiden Fremden, die mehr und mehr zur zentralen Mechanik von »Firewatch« werden. In klassischer Adventure-Manier wählen wir für Henry aus vorgegebenen Antworten und entscheiden so, ob er etwa auf eine von Deliahs zahlreichen Spitzen einsteigt, sie ausbremst oder einfach ganz schweigt. Rasch entwickelt sich ein seltsam vertrautes Verhältnis zwischen den beiden, das sich einzig über die besagten Funkgeräte entfaltet.

Delilah sucht allerdings nicht nur Zerstreuung in den ausschweifenden Unterhaltungen, sondern gibt uns als Vorgesetzte auch ganz konkrete Anweisungen. So spüren wir mit Feuerwerk zündelnden Teenagern nach, untersuchen defekte Antennenkabel oder versorgen unseren Outpost mit neuen Vorräten. Kurz: Es gibt immer etwas zu tun. Und das, obwohl wir streng genommen kaum etwas machen. Das Spiel wirft einem so gut wie keine Steine in den Weg, wir müssen keine anspruchsvollen Geschicklichkeitspassagen meistern und auch keine Rätsel lösen. »Walking-Simulator« werden solche Spiele von manch einem hämisch genannt – ungeachtet der Tatsache, dass wie in jedem Medium auch die Reduzierung auf das Wesentliche eine Kunst für sich ist. Und die ist hier so gut gelungen, wie in kaum einem anderen Spiel.
»Firewatch« ist nicht nur ein atemberaubend gutaussehendes und eingängiges Spiel, sondern auch eine präzise Betrachtung zwischenmenschlicher Komplikationen, die den Spieler bereits mit ihrem ergreifenden Prolog komplett in die zerfurchte Gefühlswelt des Protagonisten eintauchen lässt und damit verblüffend wirksam auf die eskapistische Prämisse des Spiels hinleitet. Wenn wir von unserer hölzernen Beobachtungswarte aus zum ersten Mal den Blick über das expressive Wald-Panorama schweifen lassen, können wir Henrys ambivalente Gefühlslage förmlich spüren. Dass der durchaus spannende, aber leider viel zu kurze Plot um die mysteriösen Geschehnisse im Wald am Ende einige Fragen offen lässt, fällt da nur noch bedingt ins Gewicht. Mit »Firewatch« gelingt es den Autoren und Entwicklern von Campo Santo schlichtweg, einen Kontrast aus ländlicher Idylle und subtiler Beklemmung zu zeichnen, wie man ihn so plastisch allenfalls in den Romanen von Stephen King findet. 

»Firewatch« für PC und Playstation 4 (Campo Santo)

Sony Computer Entertainment

Firewatch - [PlayStation 4]

Release: 08.02.2016

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