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Filme über Kurt Cobain

Man sollte meinen, Leben und Werk Kurt Cobains seien schon zur Genüge dokumentiert beziehungsweise ausgeschlachtet worden, schließlich hat man sogar seine Tagebücher veröffentlicht. Wie sehr also kann man jemanden posthum sezieren, dem selbst nichts wichtiger war als (seine) Musik? »Cobain: Montage Of Heck« und »Kurt Cobain: Tod einer Ikone« gehen jeweils eigene Wege auf der Suche nach Antworten. Auch die Fragen sind andere: Was trieb den Nirvana-Sänger an? Und wer oder was brachte ihn um?
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Kurz nach den Würdigungen zum zwanzigsten Todestag Cobains im letzten Jahr gibt es nun eine autorisierte Dokumentation, die Einblicke in seinen Alltag verspricht, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Außerdem ist mit »Tod einer Ikone« der Versuch erhältlich, die verwegene Mordtheorie des Privatermittlers Tom Grant in einer Mischung aus Footage und Spielszenen zu untermauern. Für Grant war Kurt Cobains Tod am 5. April 1994 kein Selbstmord, die Täterin heißt für ih n Courtney Love.
In Brett Morgens »Montage Of Heck« geht es nicht um Erklärungen für den Suizid. Doch schwingt die Frage nach dem »Warum« immer mit, wenn man sich gut zwei Stunden mit den Ideen und dem Output eines Künstlers befasst, der gegen seinen Willen zum Messias einer ganzen Generation auserkoren wurde, bevor er als »der erste MTV-Tote« in die Geschichte einging, wie Spex damals provokant titelte – und dessen letzte Stunden bereits Thema des frei assoziativen Spielfilms »Last Days« von Gus Van Sant waren. Im Vordergrund stehen jedoch Fragen nach Motivation und Inspiration im Werk des Nirvana-Sängers.
»Montage Of Heck« bietet einiges, was den Hardcore-Fans Gänsehaut über den Rücken jagen dürfte. Familienmitglieder sprechen vor der Kamera über Kurts Kindheit. Zusätzlich verwendet Brett Morgen in Abstimmung mit Courtney Love sowie der gemeinsamen Tochter Frances Bean Cobain jede Menge private Filmaufnahmen. Sie reichen von den Tagen als Dreikäsehoch in Aberdeen, Washington bis zu den Heroin-seligen Zeiten, als Frances Bean noch in die Windeln machte, während Kurt und Courtney Wir-sind-die-Sid-und-Nancy-des-Grunge-und-nicht-die-Yoko-und-John-der-Neunziger-Homevideos drehten. Darüber hinaus erweckt der Regisseur Cobains Zeichnungen zum Leben, animiert Biografisches in Comic-Sequenzen, spielt im Soundtrack mit Nirvana-Songs und lässt Bandkumpel Krist Novoselić zu Wort kommen. Auch Ausschnitte aus dem MTV-Unplugged-Gig hat er in seine Biopic-Collage gewebt. Das ist manchmal eine Spur zu viel, in ihrer Vielschichtigkeit entwickelt sich die Doku aber auch zur finalen Hommage.

Ob der ganz junge Kurt Cobain besonderes »kreatives Potenzial« erkennen ließ, wie die Ankündigung verlautbart, sei dahingestellt. Eine merkwürdige Erkenntnis nach »Montage Of Heck« ist allerdings, dass der kleine Bub aus Aberdeen den erwachseneren Eindruck macht als der Twentysomething Kurt Cobain auf dem Höhepunkt seiner Karriere – außer in dem Moment, in dem er sich live und mit Nirvana im Rücken in die eigenen Songs vertieft. Hier kann man sich ein Bild davon machen, wie viel die Idee von Rock’n’Roll mit individuellem Nonkonformismus und wie wenig diese Haltung mit einer »Revolution« zu tun hat.

Während in Morgens Film der Song »Smells Like Teen Spirit« im Abspann noch mal für Gänsehaut sorgt, ist es in Benjamin Statlers »Tod einer Ikone« (Originaltitel: »Soaked In Bleach«) die Ausgangsthese allein, die für gruseliges Schauern sorgt. Detektiv Tom Grant wurde 1994 von Courtney Love angeheuert, um den untergetauchten Cobain ausfindig zu machen. Nach dessen Ableben sammelte er Indizien für eine Mordthese und Courtneys Täterschaft. Wie er selbst vor der Kamera erklärt, handelt es sich um einen der seltenen Fälle, in denen sich der angeheuerte Privatermittler gegen den Auftraggeber wendet. In dem halbdokumentarischen Film geht es also auch um ihn als speziellen Fall von Spürnase. Und man wird das Gefühl nicht los, dass sich hier jemand ein verdammt wackliges Kartenhaus gebaut hat. Schließlich wissen wir doch alle, dass es das System war, das Cobain hervorbrachte und kaputt machte. Oder etwa nicht?

»Cobain: Montage Of Heck« (USA 2015; R: Brett Morgen; Kinostart: 09.04.15)

»Kurt Cobain – Tod einer Ikone« (USA 2015; R: Benjamin Statler; D: Daniel Roebuck; Ascot Elite)

Brett Morgen

Cobain - Montage Of Heck [Blu-ray]

Release: 01.06.2015

Benjamin Statler

Kurt Cobain - Tod einer Ikone [Blu-ray]

Release: 09.06.2015