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F/USA 2002

Femme Fatale

Auch dieser neueste Thriller aus dem Hause DePalma stellt die alte Frage neu: Was wollen wir eigentlich im und mit dem Kino? Da kommt man nach knapp zwei Stunden aus der Pressevorführung, ist einigermaßen erschöpft von der Fülle doppelbödiger erzählerischer Volten und Vexierbilder, die sich gegensei
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Auch dieser neueste Thriller aus dem Hause DePalma stellt die alte Frage neu: Was wollen wir eigentlich im und mit dem Kino? Da kommt man nach knapp zwei Stunden aus der Pressevorführung, ist einigermaßen erschöpft von der Fülle doppelbödiger erzählerischer Volten und Vexierbilder, die sich gegenseitig ausstreichen, ist professionell angetan von DePalmas Idee, noch mal auf sein "Vertigo"-Remake "Obsession" (1976) zurückzugreifen und die erzählerischen Kapriolen konsequent trashig auf die Spitze zu treiben, bis sich alles in einem manierierten, flüchtigen Nichts auflöst. "Femme Fatale" ist reichlich überspannt, beginnt mit einer Verbeugung vor dem Noir-Klassiker "Double Indemnity" (1944), und spätestens, wenn der großartig geplante Juwelenraub an der Verspieltheit einer schwarzen Katze zu scheitern scheint und zudem noch auf dem Filmfest in Cannes spielt und dort auch im Mai 2000 gedreht wurde, ist das sexy postmoderne Feedbackrauschen der Zeichen kaum noch zu übersehen bzw. zu überhören. Brian DePalma dreht seine gelungeneren Filme (Kaum ein Oeuvre dürfte mehr Misslungenes aufweisen! Wer erinnert sich noch an Filme wie "The Fury", "Wise Guys" oder "Raising Cain"?) zumeist als Lösungsvorschläge kniffliger cineastischer Fragestellungen: Wie viele Rückblenden kann man hintereinander montieren, um einen Film komplett im Irrealen spielen zu lassen? Kann man einen sexistischen Thriller mit einer Traumsequenz aus der Perspektive des späteren Mordopfers eröffnen? Kann man Antonionis erkenntnistheoretischen Skeptizismus im Film auf die Tonspur transferieren? Kann man in einem Film über Al Capone Eisenstein zitieren? Die Frage lautet dabei stets "kann", niemals "wozu". Auch "Femme Fatale" hat in diesem Sinne einige Kabinettstückchen zu bieten, beispielsweise die Verdopplung einer Sequenz unter derart veränderten Versuchsbedingungen, dass ein Happyend möglich wird. Aber die schönste Szene ist diejenige, in der der böse Gangster, der bei dem Überfall zu Beginn schwer verletzt wurde, nach sieben Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, right in the middle of nowhere - und immer noch die blutverschmierte Kleidung trägt. Ein Schelm, wer sich da noch über mangelnde Figurenpsychologie oder das darstellerische Unvermögen von Rebecca Romijn-Stamos beklagt. Ist doch eh alles heiße Luft, höhere Mathematik oder eine ambivalente Liebeserklärung an das alte Erzählkino, formuliert aus der Perspektive eines überzeugten Experimentalfilmers.

(R: Brian DePalma; D: Rebecca Romijn-Stamos, Antonio Banderas, Peter Coyote, Eriq Ebouaney, Edouard Montoute; 27.03.)