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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

USA 2006 & D/A 2005

Fast Food Nation & Unser täglich Brot

Die um Undurchsichtigkeit bemühte Lebensmittelindustrie ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Filmschaffenden geraten. Welche Bandbreite das Medium dabei erreichen kann, veranschaulichen zwei neue Filme, die sich dem Thema auf unterschiedliche Weise widmen.In Richard Linklaters Bestse
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Die um Undurchsichtigkeit bemühte Lebensmittelindustrie ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Filmschaffenden geraten. Welche Bandbreite das Medium dabei erreichen kann, veranschaulichen zwei neue Filme, die sich dem Thema auf unterschiedliche Weise widmen.
In Richard Linklaters Bestsellerverfilmung “Fast Food Nation” werden in unterschiedlichen, lose miteinander verwobenen Episoden die Machenschaften einer großen Hamburgerkette geschildert. In dialoglastigen Spielszenen wird dabei das Schicksal derer beleuchtet, auf die die profitorientierte Politik des Fleischkonzerns gravierende Auswirkungen hat. Die illegalen Einwanderer, die in den Schlachthäusern ausgebeutet werden, die intelligenten Teenager, die in den Drive-Ins ihre Jugend verschwenden, ja sogar die verantwortlichen Manager selbst, sie alle müssen im Endeffekt unter der Vereinheitlichung und Entmenschlichung durch die Industrie leiden. Bei allen richtigen Aspekten, die der mit Stars dick belegte Film bietet, kommt er in seiner altbackenen Inszenierung nie über die Qualität eines Lehrfilms hinaus. Linklater will zuviel auf einmal erklären, funktionalisiert seine Charaktere zu Meinungssprachrohren und bleibt in seiner politischen Aussage trotzdem merkwürdig harmlos und unverbindlich.
Wie fesselnd Aufklärung tatsächlich funktionieren kann, zeigt der Dokumentarfilm “Unser täglich Brot”, in dem verschiedene mechanisierte Produktionsabläufe bei der Herstellung von Nahrungsmitteln gezeigt werden. Kommentarlos gewährt der Film dabei Einblick in künstliche Lebensräume, in denen möglichst reibungslose Abläufe bei der Herstellung von Konsumgütern gewährleistet werden. Dass es sich bei diesen Waren um Gurken, Paprika, Eisbergsalat, Hühner, Schweine oder Rinder handelt, scheint für die ausgeklügelten Arbeitsprozesse irrelevant zu sein. In ruhigen, nicht überästhetisierten, aber immer erstaunlichen Bildern zeigt uns Geyrhalter von Maschinen dominierte Welten, die nicht nur Tieren und Pflanzen gegenüber, sondern auch den Menschen, die dort arbeiten, absolut feindselig wirken. Alles Lebendige hat sich hier den automatisierten Bedingungen der ökonomischen Effizienz unterzuordnen. Die üblicherweise mit Begriffen wie Sinnlichkeit und Lebensfreude aufgeladene Kulturhandlung des Speisens wird durch das Gezeigte genau dieser Attribute beraubt und zur reinen Abspeisung. Ein hervorragend gestalteter Film über eine Furcht einflößende Form von Perfektion, die für den modernen Menschen immer mehr zum Standard zu werden droht.