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USA/N 2005

Factotum

Der norwegische Regisseur Bent Hamer (“Kitchen Stories”) wählt für seine Bukowski-Verfilmung eine recht ungewöhnliche Interpretation von Bukowskis Dauer-Helden und Alter Ego Henry Chenaski: kein selbstzerstörerischer, jähzorniger Haudrauf, sondern eher ein hypersensibler, an den Tücken des Alltags z
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Der norwegische Regisseur Bent Hamer (“Kitchen Stories”) wählt für seine Bukowski-Verfilmung eine recht ungewöhnliche Interpretation von Bukowskis Dauer-Helden und Alter Ego Henry Chenaski: kein selbstzerstörerischer, jähzorniger Haudrauf, sondern eher ein hypersensibler, an den Tücken des Alltags zerbrechender Freigeist. Der Chenaski in “Factotum” ist durchaus interessiert am Leben und daran, es als Schriftsteller zu etwas zu bringen. Schreiben bedeutet für ihn nicht bloße Triebabfuhr oder Aufarbeitung des eigenen Exzesses. Die Menschen, mit denen er sich umgibt, sind in der Regel abgefuckter als er selbst. Seine Freundin Laura beispielsweise ist lediglich darauf bedacht, den Status quo der Verwahrlosung zu halten. Missgünstig versucht sie, jegliche Ambitionen Chenaskis zu ersticken und den drohenden sozialen Aufstieg zu unterbinden.

Matt Dillon, mit seinem verletzlichen, hübschen Antlitz, eignet sich als Schauspieler äußerst gut für diese weiche Chenaski-Variante: der erfolglose, unbeachtete Schriftsteller als Melancholiker, der sich immer wieder gegen sein Schicksal aufbäumt. Bukowski-Hardliner könnten da natürlich zu Recht Schiebung reklamieren. Fäkalsprache, schmutziger Sex und Sauforgien sind hier nicht die zentralen Aufhänger. Dennoch gelingt Hamer eine stimmige Umsetzung des Stoffes. Seine statischen, sehr grafisch angelegten Bilder lassen den Grundfeel des Films nicht ins Sentimentale abdriften. So ist “Factotum” zwar ein verhältnismäßig leiser, keineswegs jedoch ein seichter Film.