×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Platz für Kunst

European Kunsthalle

Eine Kunsthalle besitzt im Gegensatz zum Museum keine ständige Sammlung, sondern ist im besten Fall ein sich ständig wandelnder Ort des Austauschs – lebendiger Spiegel gegenwärtiger künstlerischer Tendenzen, nicht Archiv. Ob es die »European Kunsthalle« in Köln, die sich genau dies zur Aufgabe gemac
Geschrieben am

Eine Kunsthalle besitzt im Gegensatz zum Museum keine ständige Sammlung, sondern ist im besten Fall ein sich ständig wandelnder Ort des Austauschs – lebendiger Spiegel gegenwärtiger künstlerischer Tendenzen, nicht Archiv. Ob es die »European Kunsthalle« in Köln, die sich genau dies zur Aufgabe gemacht hat, je geben wird, ist allerdings fraglich. Bislang existiert weder ein Gebäude noch eine städtische Zusage für den Bau der Halle.
Mit der vom 2. März bis zum 28. April stattfindenden Ausstellung »Modelle für morgen: Köln« weisen die KuratorInnen Nicolaus Schafhausen, Vanessa Joan Müller und Julia Höner daher erst einmal auf die Notwendigkeit einer Kunsthalle hin. Und weil es noch keinen Raum gibt, wurde hierzu die ganze Stadt genutzt: 21 KünstlerInnen zeigen ihre Entwürfe für eine neue Kunsthalle an ebenso ungewöhnlichen wie unterschiedlichen Orten – im Fitnessstudio und im Einkaufszentrum, in der Tankstelle und in öffentlichen Toiletten präsentieren unter anderem Vito Acconci, Olaf Nicolai, Lawrence Weiner und Luca Frei ihre Modelle. Wer die einzelnen Ausstellungsorte erfahren und sich auf einen Stadtrundgang der anderen Art begeben will, kann dies bei Ausstellungsbeginn unter www.kunsthalle.eu abrufen.


Weil zeitgenössische Kunst in Verruf geraten ist, sich nur an ein kleines, diskursmächtiges Elite-Publikum zu wenden, haben die KuratorInnen für ihre Präsentation bewusst Orte gewählt, die von allen nur erdenkbaren Menschen aufgesucht werden. Dies entspricht der künstlerischen Strategie, mit dem hermetischen Kunstraum zu brechen, sich zu öffnen und die Kunst nach Außen zu tragen – durchaus in der Tradition des Situationismus, dem es darum ging, sich bestehende Territorien in der Stadt subversiv anzueignen. »Modelle für morgen« stellt sich damit laut Eigenaussage dem »Dilemma zwischen Stabilität und Instabilität«: Ziel der Kunsthalle kann nicht sein, zu einer weiteren »stabilen« Institution zu werden, die nur Spezialisten anzieht. Dies zu verhindern dürfte ein schwieriger und steiniger Weg sein und vielleicht utopischer als der Bau der Halle selbst.

Modelle für Morgen
02.03.-24.04.
www.kunsthalle.eu