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Einsam, trotz 500 Millionen neuer Freunde

The Social Network

David Fincher verfilmt das Leben des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Ist der Mann Punk, Genie oder einsames Arschloch? Am Ende müssen er und das Publikum den Tatsachen ins Auge sehen.
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Welches Arschloch hat Facebook erfunden? Mark Zuckerberg ist Anfang zwanzig und schwimmt im Geld. Ein hochintelligentes Exemplar aus der Fabrik für Vorzeigenerds mit Defiziten im zwischenmenschlichen Bereich. Das legt zumindest die Handlung von David Finchers Lehrstück »The Social Network« nahe, worin der supererfolgreiche Jungunternehmer von Goldlöckchen Jesse Eisenberg gespielt wird.

Kaum verwunderlich, dass der echte Zuckerberg nicht auf »Gefällt mir« klickt, wenn es um die Bewertung des Films geht, schließlich kommt er im Drehbuch von Aaron Sorkin (»The West Wing«) nicht so gut weg. Aber wer Privatsphäre im Jahr 2010 zu einem Relikt der Vergangenheit erklärt, wie der reale Zuckerberg das im Kampf gegen Datenschutzbestimmungen getan hat, sollte diesen sauren Apfel mit erhobenem Haupt verspeisen, so würdevoll, wie die »Dschungelcamp«-Bewohner ihre Maden verputzen.

Ist ja auch alles relativ: Der Film stützt sich auf die Buchvorlage von Ben Mezrich, den semifiktionalen Enthüllungssachroman »The Accidental Billionaires: The Founding Of Facebook. A Tale Of Sex, Money, Genius, And Betrayal«. Fincher inszeniert das kurze Date, das den Film eröffnet, als eloquentes Gefecht zwischen Zuckerberg und Erica Albright. Der gefühlskalte Zuckerberg wird nach diesem Gefecht von Erica verlassen - und tritt böse nach, was den Anfang seiner Internet-Karriere markiert. Den Weg des Protagonisten nach dem Split lässt Fincher durch ruhige Kamerafahrten verfolgen.

Sie zeigen einen Einzelgänger, der sich in seine Höhle zurückzieht. Doch Fincher ist weder Moralist noch Profiler eines vom Erfolg geküssten Psychopathen. Zuckerbergs Biografie und die Erfolgsgeschichte von Facebook deuten hier vor allem auf die einfache Tatsache hin, dass es sich im Kapitalismus lohnt, über Leichen zu gehen (zum Beispiel über Justin Timberlake). Natürlich hat Skrupellosigkeit in Hollywood meist ihren Preis. Fincher findet ein Unhappy End, mit dem man leben kann: Sein Zuckerberg muss trotz 500 Millionen neuer Freunde einsam bleiben.



»The Social Network« (USA 2010; R: David Fincher; D: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake; Sony Pictures Home Entertainment)