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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Eine andere Welt ist auch nicht besser

»Californium«

Spiele sind interaktive Träume. Aber die meisten Spielemacher sind im Kino eingeschlafen. Sie träumen von tausendmal abgespulten Kultfilmen. Vermeintliche Nerd-Stoffe, die längst mitten im Mainstream sitzen. Sie bedienen ein fest abgestecktes Publikum, dass sich immer noch wie ein Geheimclub fühlt, weil es die Namen von Nebencharakteren aus »Star Wars« kennt.
Geschrieben am
Der Science-Fiction-Autor Philip K. Dick passt auf den ersten Blick in das Beuteschema. »Blade Runner«, »Total Recall« und »Minority Report« sind alles Dick-Verfilmungen. Aber Dicks Literatur ist abgründiger, vielseitiger und fantastischer, als ein paar Hollywood-Adaptionen. Einige seiner besten Stoffe ergeben keine guten Filme. Zuletzt hat Regisseur Michel Gondry vor der Verfilmung von »Ubik« kapituliert. Ein Spiel könnte man aus dem Buch über den schleichenden Realitätsverlust auch nicht so einfach machen – es bietet keine ansprechenden Mechanismen an, keine Heldenreise und keinen Spaß.

»Wenn Sie diese Welt schlecht finden, sollten Sie einmal ein paar von den anderen sehen« Philip K. Dick


»Californium« ist ein Ausblick, wie so ein Spiel aussehen könnte; ein sehr unappetitlicher. Arte hat das Spiel mitfinanziert. Beim Spielen versteht man schnell, warum es auf die Hilfe angewiesen ist. Gut verkaufen kann sich so etwas eigentlich nicht. »Californium« verweigert sich jedem Unterhaltungsgedanken. Das ganze Spiel ist ein langsamer, hypnotischer Abstieg, angelehnt an das psychotische Spätwerk Dicks. 

Der erfolglose, benebelte Autor Elvin Green wühlt sich auf der Flucht vor seinem kaputten Leben durch alternative Realitäten. Die sehen faszinierend aus, wie ein begehbares Comicalbum. Aber der Aufenthalt in dem Explorationsspiel ist beklemmend. Die Welt leuchtet ungesund. Menschen stehen als Abziehbilder an den Boden geklebt. Fernseher sprechen Green persönlich an. Und Green beginnt, an den losen Ecken der Realität zu knibbeln, reißt immer größere Löcher heraus. 
Auf der Suche nach verräterischen Fehlern in der Kulisse taumelt er wieder und wieder durch die gleichen Schauplätze. Das flimmernde Suchbild bereitet nach ein paar Stunden Spielzeit ordentliche Kopfschmerzen. Aber die lohnen sich. Denn Spiele müssen nicht immer ein Stammpublikum bedienen. Sie könnten auch eine größere Öffentlichkeit vor den Kopf stoßen.

»Californium« (arte / Nova Production / Darjeeling / Neka Entertainment) erhältlich für PC/Mac

Arte widmet Philip K. Dick aktuell ein umfangreiches Themen-Spezial – alle Infos dazu findet ihr hier.

Californium (PC) [PC Steam Code]

Release: 16.02.2016