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"Edel sei der Mensch und gesund": Krankheit als Weg

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend. Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten "Tatort".
Geschrieben am

Herzlich willkommen zurück. Nach urlaubsbedingter Auszeit des Autors beginnen wir den Montag doch mit einem kleinen How-To, nämlich damit, wie an eine x-beliebige Tatort-Produktion heranzugehen sei. Grundvoraussetzung beim Casting: Der Täter ist immer der prominente (Gast-)Schauspieler. Ist der gerade nicht zur Hand, muss man sich etwas einfallen lassen, notfalls steht immer ein ambitionierter Theater-Newcomer Gewehr bei Fuß.

In jedem Fall aber - und das ist Grundvoraussetzung Nummer zwei - sollte im Drehbuch stets eine emotionale Verbindung mindestens eines ermittelnden Kommissars zum gegenwärtigen Fall verankert sein, zum Beispiel weil dieser a) das Opfer kannte ("Hab ich mit studiert", "War mit mir auf der Polizeischule", "War mal meine Frau") oder b) er oder sie sich in den mutmaßlichen Täter verguckt. Mit der im realen Polizeidienst eher hinderlichen Befangenheit ist es sonntags, 20:15 Uhr in der ARD also nicht so weit her. Aber: Ist ja Fernsehen.

Im gestrigen Berliner Fall "Edel sei der Mensch und gesund" dabei sogar der besseren Art, die Hauptstadtkommissare Ritter und Stark haben überraschend ihre cowboyartigen Züge weitestgehend abgelegt, auch wenn die Matte von Darsteller Boris Aljinovic mittlerweile das geschmackliche Gegenstück zu Mehmet Kurtulus' coolem Moustache ist. Das dankbare Thema "Unser Gesundheitssystem ist ein Arsch" liefert die nötige Steilvorlage, die zwar hier und da ins gewohnt Moralische abdriftet, dabei aber allzu schlimme Untiefen noch halbwegs sauber umschifft.

Klar: Der Ritter verliebt sich natürlich in die Täterin mit Kind und sein Betroffenheitsgesicht verrät heimliches Verständnis für den andauernden Betrug des betuchten Arztes Dr. Schmuckler Sen., der ja eben nur helfen will und dabei die hinderliche und kontraproduktive Bürokratie ein ums andere Mal austanzt. Und klar: Das Szenario der Ränkespiele um die Übernahme der Praxis, ein gestörtes Vater/Sohn-Verhältnis, ein todkrankes Kind und zu allem Überfluss der eifersüchtelnden Noch-Ehefrau wirkt doch arg konstruiert. Da wollten die Drehbuchstreber mal wieder zu viel.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1301861549]Mir hat er gefalllen. Viele Verdächtige, gute Darsteller und die Story ging auch. Einziger Kritikpunkt, erst Herzmassage, dann Intubieren. Sagt jedenfalls die Co-Kommissarin.[/usercomment]
Durch die weitestgehend zweckmäßig bis überzeugend agierenden Darsteller wird man aber letztlich entschädigt, selbst die bemühten Gags ("Dauert nicht lang" - Ritter zu Kind, Kind zu Ritter) halten sich in Grenzen. Eine Frage aber bleibt zum Schluss: Sind eigentlich wirklich alle Medizinstudenten so ehrgeizige Schnösel, wie die bei der Obduktion der Leiche des bedauernswerten Herrn Mühlhaus? Na dann: Gute Besserung!

Weiter geht es am 10.04. mit dem Münchener Tatort "Jagdzeit".

Den aktuellen "Tatort" kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

"Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?":
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema "So war der Tatort gestern" unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.