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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Die Evolution ist ein ständiger Wettlauf«

Dr. David Hughes über die Apokalypse

Eine Ameise, der ein Pilz aus dem Kopf wächst? Dr. David Hughes, Biologie und Insektenforscher, kennt solche Szenarien. Sein Wissen über parasitäre Lebensformen teilt er auch mit den Regisseuren von »World War Z« oder dem Videospielentwickler Naughty Dog. Dessen eben erschienenes Playstation3-Adventure »The Last Of Us« erzählt den Weltuntergang mittels besagten Pilzes, der die Menschen befällt und zu Mutanten macht. Könnte so etwas wirklich geschehen? Gregor Wildermann traf Dr. Hughes in Berlin und fragte nach.
Geschrieben am
Kino, Fernsehen, Videospiel, Werbung oder Graphic Novel - überall Zombies. Wie viel Zeit bleibt uns noch bis zur ersten Epidemie?
David Hughes: Wenn wir uns alle die Hände waschen und bei unserer Ernährung gewisse Standards wahren, müssen wir uns eigentlich keine Sorgen machen. Schwierig wird es an den Orten der Erde, wo Sonderbedingungen herrschen und Menschen in Armut leben. Dort entstehen Krankheiten, die wirklich zum Problem werden können. 

In Irland gründet man eine Band, betrinkt sich oder geht ins Fußballstadion. Sie haben sich mit Ameisen beschäftigt. Was ist da falsch gelaufen?
Ich selbst bin in einer sehr armen Gegend von Dublin aufgewachsen, wo es um mich herum nur Beton gab. Ich flog mit 15 Jahren von der Schule und meine einzige Flucht aus dieser Realität waren die BBC-Dokus von David Attenborough, dessen Naturberichte mich gerettet haben. Ich bin dann wieder zurück in die Schule und habe später meinen Universitätsabschluss gemacht.   

Aber warum Ameisen und Zombies?
Ich habe mich von Anfang an für Insekten und ihre Lebensgemeinschaft interessiert. Da herrschen komplexe Strukturen und wenn Krankheiten in diese Strukturen einbrechen, wird es richtig spannend. Evolution zeigt sich von seiner unterhaltsamen Seite, da es ein ständiger Wettlauf ist. Wie schützt sich eine Gesellschaft und wie kann ein Pilz oder Virus mithalten? Das ist ungemein spannend.  

Pilze sind abseits von Pizzabelag ja vor allem wegen ihrer Gifte bekannt.
Nicht nur das. Man denke an die Pilze, die beim Brauen von Bier gebraucht werden. Die Vielzahl der Pilzstrukturen ist für einen Wissenschaftler extrem spannend. Das war auch einer der Aspekte, bei der mein Wissen für die Entwickler von »The Last of Us« hilfreich war.  

Sie erwähnten in einem Vortrag, dass sie Videospiele selbst eher überfordern.
Absolut. Das liegt vor allem an diesem Teil, mit dem man die Spiele steuert. Viel zu viele Knöpfe und Schalter. Ihr sprecht da ganze Sätze, während ich noch nicht einmal das Alphabet beherrsche. Da habe ich noch Nachholbedarf.  

Wissenschaftler reagieren auf Firmenanfragen im Regelfall eher allergisch. Warum haben sie da eine andere Einstellung?
Ich mag Geschichten und mich interessieren die Leute, die Geschichten erzählen wollen. Das war auch der Grund, warum ich bei »World War Z« als Berater mitgemacht habe. Ich selber möchte auch für einen Ausgleich sorgen, weil ich um die Welt reisen darf und sehe dabei faszinierende Dinge. Viele Menschen können das nicht und mit denen möchte ich meine Erlebnisse und Wissen teilen. Die Welt ist so unglaublich schön und ich kann da als Vermittler fungieren. Das Erzählen von Geschichten begann schon mit den ersten Lagerfeuern. Wenn Experten die Komplexität von Geschichten verbessern können, kann das die Geschichten nur spannender machen.
Von Anwälten, Ärzten oder Reportern wird immer ein Endresultat erwartet. Gehören Sie zu den Wissenschaftlern, die genau das Gegenteil beabsichtigen?
Ja, das stimmt. Ich beobachte die Natur und je mehr ich Sie beobachte, desto mehr Fragen tauchen auf. Und alles, was ich an einem Ort der Erde beobachte, kann mir an einem anderen Ort ganz anders begegnen. Es ist eine Reise ohne Ende, die aber auch praktische Seiten haben kann. Da die Menschen viele Gebiete in Farmland umgewandelt haben, finden sich dort noch die gleichen Insekten, denen man ja nicht eine Räumungsklage zustellen kann.  

Seit einigen Jahren hört man immer wieder vom Bienensterben und welche dramatischen Folgen dies für unsere Natur haben kann. Müssten sie ihre Forschung nicht diesem Problem widmen?
Das ist eine gute Frage. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, aber im Prinzip muss man die Frage noch viel allgemeiner stellen. Wie werden wir in Zukunft 10 Milliarden Menschen ernähren, wenn schon jetzt die Nahrung zu fast 40% von Krankheiten reduziert wird? Was machen wir gegen Parasiten, die unser Essen vernichten? Niemand stellt diese Frage und Experten auf diesem Gebiet wird kaum Gehör geschenkt. Firmen wie Bayer oder Monsanto wissen genau, wie sie die eigenen Produkte schützen und von Krankheiten frei halten. Aber diese Firmen haben kein Gemeinschaftsinteresse. Und das wird irgendwann zu Konflikten führen. 

Videospiele wagen in ihrer Handlung immer wieder auch Blicke in die Zukunft. Wer ist der große Endgegner der Zukunft?
  
Fehlendes Wissen könnte in den nächsten Jahrzehnten unser größter Feind sein, was in Anbetracht des Internet eigentlich ein Witz ist. Wir müssen es schaffen, das bestehende Wissen zu teilen und dafür sorgen, dass unsere Umwelt deswegen weniger Gefahren ausgesetzt wird. Farmer sollten zum Beispiel ihr Wissen teilen und so helfen, dass Erträge nicht sinnlos geopfert werden müssen. Crowdfunding müsste sich weniger auf Geld, als auf Wissen beziehen.

Sony Computer Entertainment

The Last of Us Remastered - [PlayStation 4]

Release: 30.07.2014

Marc Foster

World War Z [Blu-ray]

Release: 07.11.2013