×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Ohne Samthandschuhe im Wald

Domhnall Gleeson über »The Revenant«

Der Rückkehrer in Alejandro González Iñárritus (»Birdman«) neuem Film wurde zurückgelassen wie Ridley Scotts »Marsianer«. Allerdings in den Wäldern Kanadas – und mit Rachegelüsten. Patrick Heidmann sprach mit Domhnall Gleeson über harte Dreharbeiten.
Geschrieben am
Alejandro González Iñárritu setzt in »The Revenant« auf Authentizität. Wie liefen die Dreharbeiten?
Der Dreh war anstrengend. Eine Herausforderung, wie ich sie noch nie erlebt habe. Aber Alejandro González Iñárritu hatte nie etwas anderes geplant. Er wollte, dass alle Beteiligten dieses Films an ihre Grenzen stoßen, ihn selbst eingeschlossen. Jeden Morgen gemütlich mit einem Kaffee in der Hand vom Wohnwagen zum Set zu laufen und all die Widrigkeiten der Natur nachträglich am Computer entstehen zu lassen – das hätte nicht zu »The Revenant« gepasst.

Muss ein Schauspieler wirklich frieren, um das überzeugend darzustellen?
Es ist etwas anderes, ob man sich die Augenringe vom Visagisten schminken lässt oder tatsächlich völlig erledigt ist. Ob man einen Mann durch die Wildnis trägt oder sich von einem Coach beibringen lässt, was für Bewegungen man machen muss. Wenn ich keine Energie darauf verwende, die Kälte zu imaginieren, weil es echt arschkalt ist, kann ich mich stärker auf die anderen Aspekte der Szene konzentrieren. Sicher ginge es auch anders. Aber so ist die Intensität besonders hoch.

Der Film spielt im 19. Jahrhundert und schildert eine Tortur für alle Figuren. Bist du an deine Grenzen gestoßen?

Die Kälte war bitter. Und wir mussten immer wieder ins Wasser. Nass und kalt – das ist die schlimmste Kombination. Außerdem drehten wir weit oben in den kanadischen Bergen und mussten alle mit schwerem Gepäck auf dem Rücken durch die Gegend kraxeln. Dazu kam der Druck. Weil Iñárritu ausschließlich mit natürlichem Licht drehte, hatten wir an vielen Tagen gerade einmal zwei Stunden, in denen alles im Kasten sein sollte. Die Gewissheit, dass in diesem kurzen Zeitraum alles stimmen muss und man nicht wie üblich alles wiederholen kann, bis es passt, machte die Sache nicht leichter.
Iñárritu hat etliche Mitarbeiter gefeuert, die mit ihm nicht klarkamen. Ist er als Regisseur ein autoritärer Berserker?
Er kann ausgesprochen streng sein und ist sehr anspruchsvoll. Gleichzeitig unterstützt er seine Schauspieler enorm. Er weiß genau, dass es nicht immer die Samthandschuhe sind, mit denen man das Beste aus einer Szene herausholt. Ich stelle mir nach mühsamen Dreharbeiten eigentlich jedes Mal die Frage: Würde ich wieder mit dieser Person arbeiten? Die Antwort bei Iñárritu ist ein klares »Unbedingt«!

Leonardo DiCaprio spielt die Rolle des zurückgelassenen Abenteurers Hugh Glass. Wie hast du ihn unter diesen Umständen kennengelernt?
Wie so viele andere bin ich schon seit Jahren ein Fan von Leo. Nachdem ich mit ihm gearbeitet habe, bin ich ein noch viel größerer Fan. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass er noch nie besser war als in »The Revenant«. Die Zusammenarbeit mit ihm war einfach und problemlos. Er ist so gut in seinem Job, das färbt automatisch auf uns andere ab. Ich kann nur leider nicht behaupten, dass wir jetzt richtig enge Freunde geworden wären. Abends nach dem Drehtag noch ein schnelles Bier im Hotel – das war schon das höchste der Gefühle. An den meisten Tagen fielen wir einfach nur todmüde ins Bett.
The Revenant – Der Rückkehrer (USA 2015)
R: Alejandro González Iñárritu; D: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson; Kinostart: 14.01.2016

Folgt uns auf

  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr