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Top 5 Mockingjay-Enttäuschungen

»Die Tribute von Panem«

Als jemand, die bei den Büchern fast heulen musste und die Vorgänger-Filme in der Startwoche im Kino geschaut hat, konnte Julia Brummert den letzten Film zur »Tribute von Panem«-Reihe kaum erwarten. »Mockingjay Teil 2« lässt sie aber enttäuscht zurück. Das sind die fünf Gründe, warum. (Achtung, Spoiler)
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01 Explosionen
Es knallt und kracht an allen Ecken und Enden. War »Mockingjay Teil 1« viel zu öde und langatmig, werfen die FilmemacherInnen jetzt mit Effekten um sich, die keinen Raum mehr für Charakterentwicklung oder Handlung lassen. Optisch der absolute Knaller, ist das aber überflüssiger Unsinn in einer Geschichte, in der es eigentlich um das Überwinden diktatorischer Strukturen, Traumata und Ungerechtigkeit geht. Ja, der Flughafen Tempelhof in Berlin ist beeindruckend in Szene gesetzt, trotzdem hätte es ein bisschen weniger »Krachbumm« auch getan. 


02 Herzschmerz
Die Liebesgeschichten zwischen Katniss und Gale und die zwischen Katniss und Peeta sind kitschig. Fürchterlich kitschig. Aber sie sind wichtig, stehen Gale und Peeta, wenn auch zaunpfahlgleich, für zwei verschiedene Lebensentwürfe. Im Roman wird das klar, hier sieht das Ganze aus wie ein alberner Streit zwischen zwei Jungs. Die Gefühle sind dahin. Oder, um es mit Gales Worten zu sagen: »Es ist, als würde ich eine Betrunkene küssen. Das zählt nicht.« So wirken die Dialoge zwischen den Dreien, als hätten sie eben sein müssen, mal eben so dahingesagt zwischen zwei Schlachten und von den Küssen und Liebesbekundungen fangen wir hier gar nicht erst an. 

03 Fehlender Respekt
Es mangelt an Respekt vor den Charakteren. Dass die Hauptpersonen in den Panem-Geschichten sterben wie die Fliegen, ist nichts Neues. Aber hat man beim ersten Teil noch wie ein Schlosshund geweint, als Rue starb, kennt man hier viele der ProtagonistInnen gar nicht genug, als dass man um sie trauern könnte. Dabei ist Finnick ein spannender Typ, dessen Geschichte sinnbildlich für die Grausamkeit des Kapitols steht. Seine Hochzeit mit Annie ist ein wichtiger Akt der Hoffnung in der ursprünglichen Geschichte. Hier im Film ist sie nur ein Moment, eine grün inszenierte Erholung für Augen und Ohren, bevor Katniss sich ins Kapitol aufmacht. Finnicks grausamer Tod wird in einem Augenblinzeln, pardon, einer bildgewaltigen, kurzen Explosion weg gewischt. Das ist auch tragisch, aber auf ganz anderer Ebene.

04 Tigris
Einer der coolsten Charaktere im Buch ist Tigris. Ehemals Stylistin für das Kapitol, ist sie jetzt Besitzerin einer Modeboutique. Sie sieht aus wie eine Katze, sie verhält sich wie eine Katze. Das Make-Up im Film ist, Hut ab!, beeindruckend. Ansonsten bleibt aber auch sie nur eine Randnotiz. Dass sie gerade alles aufs Spiel setzt, wenn sie Katniss und ihre Crew bei sich aufnimmt ist dann eben so. Tiefe, Leute, Tiefe!

05 Das Ende
Das Ende war im Roman so vorgegeben, ok, und dass es sehr versöhnlich ist, ist keine Frage. Das mag daran liegen, dass sich die Panem-Trilogie eigentlich an Jugendliche richtet. Aber muss es im Film deshalb so aussehen wie aus einer Nicholas-Sparks-Verfilmung? Katniss als sorgende Mutter, Peeta als liebender Vater, Friede, Freude, Eierkuchen im Licht des warmen Sonnenuntergangs. Katniss darf einen Halbsatz lang über Albträume sprechen, Albträume, die von Traumata her rühren, Traumata die schon zuvor eher am Rande abgehakt wurden. Kein Wort mehr über Prim, keines über die Überwindung der Vergangenheit und die Aufklärung der Kinder. Die Erklärung, wieso Katniss sich gegen eine Zukunft in der Politik entschieden hat, bleibt der Film schuldig. Das Buch gibt übrigens zumindest Hinweise darauf.