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Die harte Tür zur harten Schule

»Die Prüfung«

Andres Veiels »Die Spielwütigen« auf den Kopf gestellt: Statt mit den Bewerbern der Schauspielschule beschäftigt sich Till Harms mit ihren Prüfern.
Geschrieben am
Schaut man sich die harten Fakten an, klingt Till Harms’ »Die Prüfung« nicht besonders spannend: 90 Minuten lang neun Dozenten an einer Hochschule bei der Arbeit zusehen, die sich in Realzeit über drei Tage erstreckt? Hm. Da es sich bei der Hochschule aber um jene für Musik, Theater und Medien in Hannover handelt und diese Dozenten das Auswahlkomitee zur Aufnahme in das Schauspielstudium bilden, wird die Sache schon reizvoller. Richtig brisant wird es, wenn man sich die Theaterlandschaft in Deutschland anschaut. Als ungelernter Schauspieler ist es fast unmöglich, eine Rolle an einer großen Bühne zu bekommen. Und selbst der Film- und Fernsehbetrieb verlässt sich am ehesten auf die Schauspielschulabsolventen. Sie kommen entweder von renommierten privaten, in der Regel aber von den großen staatlichen Hochschulen. In dieser Ausprägung findet man eine solche Praxis außerhalb des deutschsprachigen Raums kaum. Wie heikel die Lage ist, zeigt »Die Prüfung«. Fast 700 Bewerber gibt es auf die zehn Plätze in Hannover. Dass die Auswahl schwierig ist, versteht sich von selbst. Dass sie menschlich geprägt ist und unbürokratisch daherkommt und dass die Dozenten eher in horizontaler Zuarbeit als in vertikalen Hierarchien entscheiden, ist eine positive Überraschung. Till Harms’ Fokus auf die »Entscheider« in diesem harten Kampf um die wenigen Plätze ist erfrischend, spannend und innovativ.
– »Die Prüfung« (D 2016; R: Till Harms; Kinostart: 19.05.16; Mindjazz Pictures)