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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In der Löwengrube

»Die Lügen der Sieger«

Christoph Hochhäusler gehört den deutschen Regisseuren, deren Filme eine eigene Handschrift aufweisen. Das zeigt auch sein ungewöhnlicher Wirtschaftsthriller.
Geschrieben am
Der Wecker klingelt. Fabian Groys erwacht aus dem Koma und muss sich erst mal mit Hilfe von Kaffee und Kopfschmerztabletten rekonstruieren. Der Journalist gibt sich Nacht für Nacht der Spielsucht hin, als gäbe es kein Morgen. Aber anderntags wartet die Redaktion auf einen neuen investigativen Geniestreich – schließlich liegt sein letzter schon eine Weile zurück. Als er die junge Volontärin Nadja zugeteilt bekommt, lässt er sie in einem obskuren Fall recherchieren, den die Boulevardpresse in großen Lettern ausschlachtet. Ein Mann hat sich in ein Löwengehege gestürzt. Der Fall klingt absurd. Die Spuren führen jedoch zu einer Gelsenkirchener Recyclingfirma, die Giftmüll an den Gesetzen vorbei entsorgt und so die Gesundheit ihrer Angestellten aufs Spiel setzt. Ein heißes Eisen, also raufen sich der Macho Fabian und die Neue zusammen, um zu ermitteln.

Christoph Hochhäusler (»Unter dir die Stadt«) zählt zu den wenigen Regisseuren hierzulande, die eine eigene Handschrift aufweisen. Seine stilistisch anspruchsvolle Inszenierung dreht sich immer wieder um das Spiel der Mächte hinter den Glasfassaden der Industrie. In »Die Lügen der Sieger« webt er wieder ein komplexes Netz aus Lügen und Machtmissbrauch, bei dem die Strippenzieher lange Zeit vage Schatten bleiben. Das fordert Geduld und Überblick beim Zuschauer, belohnt aber mit einer beachtlichen Leistung von Florian David Fitz – der hier mal mehr zeigt als nackte Haut – und seiner Leinwandpartnerin Lilith Stangenberg. Hochhäusler vermischt sein anspruchsvolles Drama mit Ansätzen eines Wirtschaftsthrillers und mit klassischen Krimi-Elementen. Seine Figurenkonstellation mag dabei nicht unbedingt Neues liefern, und die Sequenzen in der Halbwelt des illegalen Glücksspiels seltsam aufgesetzt wirken. Das macht den Plot aber nicht weniger spannend – und den Einblick hinter die Fassade der Mächtigen vermutlich nicht weniger realistisch.

D 2015; R: Christoph Hochhäusler;  D: Florian David Fitz, Lilith Stangenberg, Horst Kotterba