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Von Hetzkeksen und vollgepissten Hosen

»Deuscthland«

Jan Böhmermann zeigt in seiner multimedialen Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf seine Sicht auf »Deuscthland«. (Foto: NRW-Forum Düsseldorf / B. Babic)
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»Ist das noch Satire oder schon Revolution? Wie weit darf und muss Kunst gehen?« heißt es in der Einladung zur Ausstellung »Deuscthland« von Jan Böhmermann und der bildundtonfabrik. Dementsprechend werden am Eingang zum NRW-Forum in Düsseldorf nicht nur Taschen genauestens gecheckt, sondern auch jeder Körper abgetastet. Böhmermann hat Schmähgedichte und noch mehr Dreck am Stecken. Sobald man drin ist, gleicht die Atmosphäre wieder mehr einem Museum als einem Flughafen. Naja, fast: Wer rein will nach »Deuscthland«, muss wieder anstehen – Passkontrolle. Links für Deutsche, rechts stellen sich Ausländer an, hier hat sich keine Schlange gebildet. Deutsche müssen Geduld mitbringen – alle Journalisten, die an der Pressekonferenz von »Deuscthland« teilnehmen, müssen Handys und Kameras abgeben und ihre Personalausweise vorzeigen. Das dauert. Ab und an zischt es: »Mist, ich hab nur meinen Presseausweis dabei!« Tja, kommste eben nicht rein, nach Deuscthland! Ich jedenfalls bin mit meinem brandneuen Personalausweis in der Hand am Schalter angelangt, hier sitzen zwei ernst dreinschauende Zollbeamte in voller grauer Montur, die nicht zu Scherzen aufgelegt scheinen. Trotzdem: Ich bin drin.
Und Deuscthland ist milde gestimmt: Es sind alle reingekommen, auch ohne richtigen Ausweis. Ob der Buchstabendreher schuld war? Und wie kam es überhaupt dazu? Den Anstoß zur Ausstellung lieferte Alan Biber. Er ist künstlerischer Leiter des NRW-Forums Düsseldorf, in dem »Deuscthland« stattfindet. Vor Jahren sah Biber einen Einspieler von »Neo Magazin Royale« und dachte, dass man dringend gemeinsam was machen müsse. Also hat er in Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann und der btf »Deuscthland« initiiert – btf meint bildundtonfabrik, die Produktionsfirma von Böhmermanns Shows. Gegründet wurde die btf von Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann, Absolventen der Kunsthochschule für Medien in Köln – irgendwie logisch, dass diese Konstellation irgendwann im Museum landet. »Böhmermann und seine Kollegen machen zeitgenössische Kunst für ein junges Publikum, das vielleicht sonst eher nicht ins Museum geht«, so Biber. In der Ausstellung geht es um den derzeitigen Vormarsch der Populisten in Deutschland, um die Macht und die Manipulation durch Medien und natürlich auch die Rolle der Zuschauer. Es geht »um die Rückkehr des hässlichen Deutschen«, erklärt Biber noch, bevor er uns mit »Deuscthland« alleine lässt. Noch immer hat man nur eine Ahnung davon, was einen hier erwartet, doch das Ausstellungsplakat ist schon mal vielversprechend: eine Anlehnung an das berühmte Foto von Martin Langer zu den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen.
Und weil in »Deuscthland« Kamerateams draußen bleiben und Smartphones an der »Grenze« abgegeben werden müssen, möchten wir hier natürlich auch nur minimal spoilern. Drin angekommen ziehe ich erst mal einen Hetzkeks am Hetzkeksautomaten. 
Neben Schnappschüssen von der Kanzlerin im ungewohnten Wander-Outfit (das sich im Original Museums-like hinter einem Glaskasten wiederfindet) gibt es Wahlkabinen, in denen man die richtige Entscheidung treffen muss, echte Ölgemälde von Merkel und Co (natürlich gemalt von Jan Böhmermann, der kann schließlich alles), eine Dokumentation von Böhmermanns Schmähgedicht und eine Feedbackhotline »wie im wahren Leben«. Außerdem kann man sich im Reichspark tummeln – einem Vergnügungspark, in dem der Museumsbesucher »Deutschland zwischen 1933 und 1945 hautnah miterleben kann«. Soviel sei noch verraten: Man bekommt Einblicke in den Führerbunker und sieht Hitler  beim Selbstmord zu – quasi hautnah.

Die Ausstellung geht vom 24.11.17 bis zum 04.02.18 und wird von Abendveranstaltungen mit William Cohen und Jan Böhmermann begleitet.