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Derrida

R: Kirby Dick, Amy Ziering Kofman; Absolut Medien Vielleicht sind Philosophen die besseren Comic-Figuren. Als Protagonist der nach ihm benannten Dokumentation begegnet uns Jacques Derrida jedenfalls mit malerisch verstruppelten Haaren, und nicht selten umwehen sanfte Pfeifendampfwölkchen die Stir
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R: Kirby Dick, Amy Ziering Kofman; Absolut Medien

Vielleicht sind Philosophen die besseren Comic-Figuren. Als Protagonist der nach ihm benannten Dokumentation begegnet uns Jacques Derrida jedenfalls mit malerisch verstruppelten Haaren, und nicht selten umwehen sanfte Pfeifendampfwölkchen die Stirn. Vielleicht aber sind Philosophen auch einfach nur normale Menschen. Das vergisst man leicht, weil ihre abstrakten Ideen zwischen den Buchdeckeln oftmals so wenig Raum für das alltägliche Leben lassen. Es ist Derrida selbst, der uns an dieses Dilemma erinnert: Danach befragt, was er in einem imaginären Film mit einem toten Philosophen gerne behandelt sehen würde, wünscht er sich, Heidegger beim Sprechen über sein Sexualleben zu beobachten. Umgekehrt folgt die Kamera Derrida zwar in Hörsäle, zu Tagungen und auf den Dachboden, doch es bereitet ihm sichtliches Vergnügen, persönlichen Themen auszuweichen oder sich ihnen ganz zu verschließen.

Prinzipiell ist es mit Dokumentationen über Geistesmenschen ja so eine Sache. Das Medium Film zeigt zunächst einmal nur den Denker, auch wenn das Interesse dem Denken selbst gilt. Die RegisseurInnen Kirby Dick und Amy Kofman sind sich dieses Problems bewusst und entgehen der Versuchung, den Denker zum Meisterdenker zu stilisieren. Stattdessen werden zwischen den Interviewsequenzen Texte Derridas gelesen und mit Klangcollagen von Ryuichi Sakamoto kombiniert. Vor allem jedoch unterminiert "Derrida" den Anspruch gewöhnlicher Dokumentationen, ein Sujet in seiner unmittelbaren Wahrhaftigkeit wiederzugeben. Vielmehr markiert der Film permanent seine eigenen Entstehungsmodalitäten und weist sich damit als nur eine mögliche Perspektive auf Derrida aus. Dass dies auf äußerst unterhaltsame Weise gelingt, ist allen Beteiligten hoch anzurechnen.