×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

SA 2008; R: David Fincher; D: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton; 29.01

Der seltsame Fall des Benjamin Button

TC Boyle hat mal eine Geschichte geschrieben, in der die Menschen bis 50 altern und danach wieder jünger werden.
Geschrieben am
TC Boyle hat mal eine Geschichte geschrieben, in der die Menschen bis 50 altern und danach wieder jünger werden, was dazu führen kann, dass man seine Geliebte in späteren Ehejahren auch mal ohne Nachtisch ins Bett schicken muss.

Die Inspiration dazu dürfte von F. Scott Fitzgerald gekommen sein, dessen Benjamin Button als Greis geboren wurde (ohne Details aus dem Kreißsaal) und nach einem erfüllten Leben als Baby das Zeitliche segnete. Vom Titel und der generellen Thematik abgesehen hat diese Verfilmung nun wenig mit der Kurzgeschichte zu tun - der eher satirische Tonfall des Originals ist einer ausgefuchsten Dramaturgie gewichen, wie sie jedes Jahr zur Feier der Oscarverleihung einstudiert wird.


Brad Pitt spielt in "Benjamin Button" die Titelfigur, einen Glücksritter vom Kaliber Errol Flynns, der immer wieder an dramatischen Punkten des 20. Jahrhunderts auftaucht wie der Fehlerteufel in der Grundschule. Erzählerisch bietet die Story das gesamte Vokabular epischer Breite auf, was bereits Vergleiche mit "Big Fish" provozierte. Und ähnlich wie Tim Burtons Fantasy-Erfolg streckt sich auch "Benjamin Button" nach wahrer Größe, die in einer echten Liebesgeschichte ihren Ausdruck finden soll. In diesem Falle stehen mit Cate Blanchett und Brad Pitt auch zwei Darsteller zur Verfügung, denen es gelingt, ihrer On/Off-Affäre die tragische Note zu geben, die ihre schicksalhafte Altersentwicklung zu verlangen scheint. Das widernatürliche Phänomen im Herzen der Geschichte bleibt Gott sei Dank ambivalent. Denn während es an perversen Fantasien an sich natürlich nichts auszusetzen gibt, bleibt diese hier oft Gedankenspiel ohne emotionale Konsequenz. Vor den prachtvollen Kulissen der 150-Millionen-Dollar-Produktion hätte zu viel Gefühlsduselei allerdings auch eher verstört. Sehenswert dank des Ensembles und wegen David Finchers großartiger Regie.


Der seltsame Fall des Benjamin Button (USA 2008; R: David Fincher; D: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton; 29.01.)