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Schmetterlinge, die Marmelade schlecken

Der Künstler Agustin im Interview

Der Fotograf Agustin besuchte als Kind jeden Sonntag den Gottesdienst und bewunderte die Gemälde und Objekte in der Kirche. Das hat ihn nachhaltig beeinflusst. Weiterhin zählt er seine Mutter, eine dicke Prise Humor und das Groteske als Einflüsse. Passt super zu unserem Cover-Act MGMT, dachte Frederike Wetzels – und engagierte ihn als Trennerseiten-Künstler für Heft Nummer 260. Außerdem stellte sie ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit.  

Geschrieben am
Umsetzung:
Senta Best

Deine Stillleben sehen aus wie moderne Interpretationen von klassischen Vanitas. Sie zeigen die Vergänglichkeit des Lebens, die Sinnlosigkeit von Vergnügen und den sicheren Eintritt des Todes. Lässt du dich von diesem Genre der Kunstgeschichte beeinflussen?
Teilweise schon, würde ich sagen. Es war ursprünglich nicht meine Intention, der Vergleich kam erst später auf. Ich habe schon früher immer Künstler wie Caravaggio bewundert, ohne ihn eigentlich zu kennen, einfach nur, weil ich Kunstbücher in der Schule durchblätterte. Es erinnerte mich an die Kirche und den Stil der Kunst, die in der Kapelle hing. Als Kind ging ich jeden Sonntag zur Kirche und hatte den Hang dazu, herumzulaufen und beim Betrachten der Gemälde, Objekte und Schreine in eine Art Trance zu fallen.

Gibt es andere Einflüsse auf deine Arbeiten? Für welche Themen interessierst du dich?
Es gibt so viele Einflüsse, die man aufsaugt, ohne es überhaupt zu merken. Oft sind sie auch eher instinktiv als dass man sie genau benennen könnte; spezielle Dinge, die auf uns einwirken, beispielsweise Mode, Popkultur oder Politik. Das alles ist subjektiv. Was meine Arbeit auf alle Fälle beeinflusst hat, ist meine Mutter, würde ich sagen. Die Art, wie sie bestimmte Tische und generell Möbel dekoriert hat und wie sie Kissen auf dem Bett oder Vorhänge drapiert hat. Diesen Anblick fand ich schön, also begann auch ich, Dinge zu dekorieren und Objekte zusammenzustellen, wie es mir gefiel.

Das Motiv, das wir für unser Cover ausgewählt haben, zeigt Schmetterlinge, die auf einer Tischdecke mit aufgedruckten Blumen Marmelade aufschlecken. In der Kunstgeschichte stehen solche Motive für Eitelkeit. Was wolltest du damit ausdrücken?
Ich war fasziniert von der Idee, dass Marmelade etwas Groteskes darstellt, wie etwas, dass aus jemandem oder aus etwas herausquillt – von der Sämigkeit und der dunklen roten Farbe. Es war faszinierend für mich, so ähnlich, als wenn du etwas Seltsames siehst oder riechst und einfach noch einmal daran riechen oder es anzusehen musst. Das Schöne drum herum haben meine kuriosen Gedanken hinzugefügt. Manchmal können schöne Dinge gefährlich sein und auf gewisse Art und Weise reflektiere ich damit, dass Eitelkeit nicht immer nur Spaß macht.

Wie stellst du normalerweise deine Stillleben zusammen? Wie wählst du deine Objekte aus?
Ich gehe sehr oft in Second-Hand-Shops und wenn ich etwas sehe, das mich auf eine Idee bringt, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis ich diese umsetze. Normalerweise erzeugen Objekte eine Art nostalgisches Gefühl, das mir bei der Umsetzung hilft. Das alles passiert sehr spontan und entwickelt sich mit jedem Trigger weiter. Die Personen oder Objekte variieren dabei – von Haushaltsgegenständen bis zu einem Fabrikgegenstand oder Kleidung kann alles dabei sein. Ich fühle mich außerdem zu glänzenden Dingen hingezogen.

Bild: Agustin Hernandez

Bei all deinen Fotos spielst du mit Realität und Phantasie. Dadurch, dass umliegende Dinge integriert werden – vor allem bei den Porträts – wirkt vieles sehr spontan. Siehst du das genauso? Wie arbeitest du?
Ja, ich versuche, den Moment zu nutzen, was auch immer dafür nötig ist. Ob gut durchdachte Idee mit herumliegenden Dingen oder ein eher vages Konzept mit minimalistischer Kulisse. Normalerweise lasse ich aber die Motive entscheiden, je nach Stimmung. Oft gebe ich dem Thema eine unschuldige Charakteristik, und füge irgendeine kuriose Aktion hinzu. Das wird dann oft als Spontaneität missverstanden. Improvisation führt zu dieser Spontaneität.

Mit wem arbeitest du zusammen? Warum tragen die Personen auf den meisten Bildern Masken oder Make-up, durch das sie entpersonalisiert werden? 
Meistens sind es Freunde oder Leute mit den gleichen Interessen, die ich auf Instagram treffe. Eine gewisse Verbindung zu den Leuten ist sehr wichtig, weil das einen organischeren Prozess erlaubt. Ich selbst bin sehr kamerascheu und merke, dass eine Menge Leute das auch sind, auch wenn es sonst Selfie-Königinnen sind. Es ist schwierig, wenn jemand Anweisungen gibt. Ich habe aber schon oft bemerkt, dass es dem Thema zuträglich ist, wenn man ein Gesicht verkleidet oder maskiert, damit kreiert man eine neue Person oder einen Charakter, die oder der den Moment verkörpert.

MGMT nutzen viele dunkle Gothic-Elemente, vor allem im Video zu »Little Dark Age«, aber sie scheinen Spaß daran zu haben. Und es gibt immer einen bestimmten trockenen Humor. Siehst du Ähnlichkeiten zu deinen Arbeiten? 
Ich habe schon oft gesagt bekommen, dass in meinen Arbeiten ein gewisser trockener Humor steckt. Kunst kann ja in viele Richtungen gehen und manchmal, wenn etwas einen zu ernsten, dramatischen oder gezwungenen Unterton hat, durchbreche ich diesen instinktiv mit Humor.

Im Refrain vom MGMT-Titeltrack heißt es: »We are living through a little dark time but we are sure there are brighter times ahead.« Was sagst du zu diesem Statement?
Wenn man sich auf der Welt umsieht, fehlt derzeit in Politik und Gesellschaft jegliches moralische Verständnis. Ich kann dem Satz also nur zustimmen. Wir gehen alle durch dunkle Zeiten, die auch mal entmutigend sein können, in denen es aber umso wichtiger ist, ein winziges Stück Hoffnung zu finden. Für eine bessere Zukunft ist das notwendig.

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