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So finster die Stadt

»Der Himmel über Berlin« kommt wieder ins Kino

Vor gut 30 Jahren kam Wim Wenders’ moderner Klassiker ins Kino. Die aufwendig restaurierte Fassung läuft bald als Leinwand-Revival. (Foto: Studicanal)

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Wenn von einem poetischen Film die Rede ist, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Wim Wenders’ »Der Himmel über Berlin« handelt. Das liegt auch daran, dass Peter Handkes Gedicht »Lied vom Kindsein« die Handlung inspirierte und der Dichter 1987 an der Entstehung des Films beteiligt war. Die Geschichte ist eine Art filmisches Gleichnis: Die Engel über der Stadt sind unsterblich, doch müssen sie dem Treiben der Menschen mehr oder weniger tatenlos zuschauen. Sie können lediglich in deren Alltag eingreifen, indem sie ihnen Lebensmut einflößen. Und wenn sich dann die Engel und die Menschen in den Grauzonen der Schwerkraft und der Gefühle nahekommen, kann es sinnlich werden und andere inspirieren – auch wenn sie nicht romantisch veranlagt sind: Die französische Autorin Marie Rotkopf beispielsweise schrieb für ihr kürzlich veröffentlichtes »Antiromantisches Manifest« einen flammenden Abschiedsbrief an die mittlerweile verstorbene Schauspielerin Solveig Dommartin. Im Film spielt diese eine Trapezkünstlerin, die dem Engel Darniel (Bruno Ganz) beibringt, was Liebe ist. Übrigens treffen sich die beiden auf einem Konzert von Nick Cave. Bei so einem ersten Date kann man ja schon mal auf die Idee kommen, seine Unsterblichkeit gegen düsteren Herzschmerz einzutauschen. Schließlich sind nicht alle Engel gleich. Kollege Cassier zieht es weniger auf den Boden der Tatsachen zu Filmstars und Sterbenden.

»Der Himmel über Berlin« steckt voller Geschichte: Deutschland ist in den letzten Zügen des Kalten Krieges und kurz vor dem Fall der Mauer. Außerdem spielen viele Berliner Drehorte eine Rolle, die mittlerweile teils bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden. Der Film hat aber längst auch eine bemerkenswerte eigene Historie. So drehte Wenders 1993 mit »In weiter Ferne, so nah!« ein Sequel mit der gleichen Star-Besetzung, und noch mal fünf Jahre später gab es ein US-Remake mit Nicolas Cage und Meg Ryan: »Stadt der Engel«. Bis heute wirkt das schwermütige Märchen jedoch im Original am  eindrucksvollsten: Wegen der Schwarz-Weiß-Bilder und der ruhigen Kamera von Henri Alekan wähnt man sich in einem Werk von Jim Jarmusch, dessen Figuren Tranquilizer geschluckt haben und einen Traum von sich selbst träumen. Die popkulturellen Anspielungen an Wenders’ modernen Klassiker sind inzwischen kaum mehr zu zählen.

Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, das Cineasten doppelt freuen dürfte: Sie bekommen die Gelegenheit, »Der Himmel über Berlin« in einer fantastischen 4-K-restaurierten Fassung mit Dolby-5.1-Sound bei der Wiederaufführung im Kino so intensiv zu erleben wie nie zuvor. Und sie dürfen sich für alle freuen, die aus diesem Anlass zum ersten Mal im Leben echte Engel sehen. So habt ihr den Himmel über Berlin noch nie erlebt!

— »Der Himmel über Berlin« (D 1987; R: Wim Wenders; D: Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander; Kinostart: 12.04.18; StudioCanal)

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