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USA 2006

Death Proof / Planet Terror

Zombies, Rennwagen und Kumpelkult - Thomas Venker und Linus Volkmann im Zwiegespräch.
Geschrieben am
Venker: Ganz schön uninspiriert, diese beiden Filme nicht als Double-Feature ins Kino zu bringen, sondern einzeln. Dabei war doch genau das Gegenteil die Idee von Tarantino und Rodriguez: an die Tradition der guten alten Exploitation-
Doppelpackages anzuknüpfen. Anscheinend glaubt man, der deutsche Zuschauer halte das nicht durch. Übrigens, weißt du noch, wie wir dachten, der Film sei aus, als im vermeintlichen Abspann die Trailer zu anderen Slasher/Horror-Filmen liefen? Wir glaubten ja, der Regiewechsel habe sich nach dieser einen Stelle im Krankenhaus vollzogen - da merkt man, dass wir echte Filmkritiker sind ...

Volkmann: Ach, ich war schon vorher verwirrt, der Irrtum macht den Kohl auch nicht fett. Aber mal zu den Filmen, Alter: super blutiges Schlock-Rock-Kino mit viel Nerdism, Drastik und - dem "Hostel'n'Saw"-Konsens dieser Tage gegenläufig - Humor. Erst die abenteuerliche wie infektiöse Weltraumzombie-Posse "Planet Terror" von Rodriguez, die damit endet, dass Rose McGowan ihr Holzbein ab- und eine automatische Knarre anschraubt, dann "Death Proof", Tarantinos staubtrocken linearer Revenge-Terror, in dem Kurt Russell nur so lange junge Frauen mit seinem Stuntmobil umnietet, bis das Blatt sich wendet.

Venker: Aber lass uns noch mal auf die Trailer kommen, die als Storytrenner dienen. Da kam ja der Wahnsinn der beiden gut rüber. Und dieses grenzenlose Vertrauen in die eigene Kunst, die Überzeugung, dass selbst in einem System wie Hollywood alles möglich ist, wenn die richtigen Typen es anbringen - auch wenn sie die Trailer gar nicht selbst gedreht haben. Was denkst du: War es leicht, all die Promis zu gewinnen?

Volkmann: Na, warum sollte Nicolas Cage nicht gern den von "Flash Gordon"-Bösewicht Ming abgeguckten asiatischen Endgegner in einem Trailer zu einem Fake-Film geben, der noch dazu "Werewolf Women Of The SS" heißt? Tarantino gilt Hollywood-intern ja seit John Travoltas Renaissance via "Pulp Fiction" als Marktwert-Boost. Obwohl ich finde, dass er den Nicht-Character Kurt Russell letztlich überhaupt nicht umwerten kann. "Die Klapperschlange" bleibt sein einziger Eintrag in die filmische Zurechnungsfähigkeit.

Venker: Was mich ja auch wirklich fasziniert, ist die Aufgabe des eigenen künstlerischen Subjekts, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Gerade für einen Egotäter wie Tarantino muss das doch schwer gewesen sein. Bei jedem x-beliebigen Gossenregisseur könnte man vermuten, dass er sich so absichert, aber ein Tarantino braucht ja solch ein Sicherheitsnetz nicht. Und da sie nicht wirklich zusammen gedreht haben, fragt man sich schon, was das soll. Nur weil er allein keine zwei Teile gewuppt bekommen hätte? Oder weil es zum Doppelfeature, wie es klassisch in den 60ern aufkam, dazugehört, dass es zwei Geistesverwandte zusammen abliefern?

Volkmann: In Interviews machen sich beide schamlos und glaubwürdig Komplimente - und Tarantino spielt beim Rod-Teil ja auch mit. Meine küchenpsychologische Analyse: Hier lieben sich die beiden Typen selbst im jeweils anderen.

Venker: Ich muss an dieser Stelle mal einwerfen, dass ich nie großer Tarantino-Fan war. Ich schätze zwar sein konsequentes Verfolgen und damit Popularisieren von Genres, die eigentlich zu trashig für den Mainstream sind - Genres wie Slasher-Filme, Kung-Fu-Flicks oder Hongkong-Gangsterballaden, als diese noch nicht der heiße Scheiß von Arkansas bis Göteborg waren -, aber mir fehlte dabei oft das künstlerisch Originäre, das war mir zu sehr kunterbunte Zitatpopkultur. Wenn halt "Reservoir Dogs" oder auch "Kill Bill" mehr Déjà-vu- als Aha-Momente auslösen, dann ist das schade ... Mit "Grindhouse" aber hat er mich abgeholt. Das ist so weit draußen, das ist einfach nur noch fantastisch: als künstlerische Strategie, aber auch als Unterhaltungskino. Weißt du noch, wie aufgewühlt wir rauskamen? Wir stolperten erst mal verloren durch ein Parkhaus, wussten nicht, was zu tun war, und endeten in einem überdimensionalen Käsekuchenrestaurant. Mal ehrlich: Das wär uns doch alles ohne den Film nie passiert.