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DVD/BD: »Twin Peaks«

Das ganze Geheimnis

Vorgezogene Weihnachten für den David-Lynch-Mob. Und für alle, die dem Rätsel von »Twin Peaks« nach über 20 Jahren noch auf der Spur sind. Die umfassende Blu-ray-Edition enthält bislang unveröffentlichtes Material, das ein anderes Licht auf das Mysterium wirft.
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Vorgezogene Weihnachten für den David-Lynch-Mob. Und für alle, die dem Rätsel von »Twin Peaks« nach über 20 Jahren noch auf der Spur sind. Die umfassende Blu-ray-Edition enthält bislang unveröffentlichtes Material, das ein anderes Licht auf das Mysterium wirft.

 

Ob man David Lynch für den außergewöhnlichsten Auteur in Hollywood hält oder ihn den am meisten überschätzten Kunstfilm-Macker jenseits von Jim Jarmusch schimpft: Mit der TV-Serie »Twin Peaks« schrieb er Filmgeschichte. Ein Satz, der heute nicht mehr so unglaublich klingt wie noch Anfang der 1990er-Jahre, als die Tragödie um die Wasserleiche Laura Palmer riesiges Aufsehen erregte. Damals hatte man sich gerade an die Idee des Privatfernsehens gewöhnt. Wobei RTL und Sat.1 sich zu den öffentlich-rechtlichen Giganten noch verhielten wie aufmüpfige Kinder aus gutem Hause zu ihren bildungsbürgerlichen Eltern. Dank der ARD- und ZDF-Show-Importe der 80er-Jahre, von »Dallas« über »Miami Vice« bis »Ein Colt für alle Fälle«, war man dem Serienkult schon näher, als man es sich zu Zeiten von »Raumschiff Enterprise« und »Bonanza« erträumt hatte. Doch mit der Ausstrahlung von »Twin Peaks« begann auch in Kohls Germany eine neue Zeitrechnung: Fernsehserien konnten tatsächlich so was wie Kunst sein. Dafür musste man sich mit Absonderlichkeiten herumschlagen, die man bis dato höchstens von grenzgenialem österreichischen »Kottan ermittelt«-Edeltrash kannte: »Twin Peaks« basierte zwar auf einer Krimistory und versprach Whodunnit-Drama, ließ den roten Faden der Handlung zugunsten von psychologischen Motiven aber bald zwischen Washingtons Redwood-Bäumen und FBI-Agent Dale Coopers Kaffeetasse liegen.

Die Eulen sind halt nicht, was sie zu sein scheinen, lautete das passende Mantra. Von bleibender Welthaltigkeit des irren Provinz-Panoptikums und dauernder Zeitlosigkeit von Coopers Ticks und Tricks kann man sich jetzt, in der Post-»Sopranos«-Ära und womöglich zwischen zwei »True Detective«-Staffeln, mit dem einzigartigen »The Entire Mystery«-Set überzeugen. Es enthält haufenweise unveröffentlichtes Material und sogar den heiligen Gral der Fangemeinde. Stichwort: Director’s Cut. Einen schöneren Grabstein als diese Blu-ray-Box hätte man Laura Palmer also nicht meißeln können. Doch auch wenn es längst zur Allgemeinbildung gehört, wer ihr Mörder war: Das ganze Geheimnis von »Twin Peaks« wird sich einem wohl trotzdem nie erschließen.

 

»Twin Peaks – The Entire Mystery« (USA 1990; E: Mark Frost, David Lynch; D: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Mädchen Amick; Paramount)