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Das ganze Bild vor Augen

Whatever Works

Woody Allen lässt sich immer noch nicht lumpen. In schöner Regelmäßigkeit liefert er neue Filme mit neuen Musen ab. Diesmal mit altem Drehbuch, altem Larry David und altem NYC.
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Woody Allen lässt sich immer noch nicht lumpen. In schöner Regelmäßigkeit liefert er neue Filme mit neuen Musen ab. Diesmal mit altem Drehbuch, altem Larry David und altem NYC.

"Hey Sie da, ich kann Sie sehen, weil ich immer das ganze Bild sehe" - so in etwa beginnt der neue Woody-Allen-Streich: mit einem langen ungeschnittenen Monolog, den Boris Yellnikoff, selbst erklärtes Genie und Fast-Nuklearphysik-Nobelpreisträger, an sein Publikum richtet.

Dann klärt uns der von dem Comedian Larry David virtuos gespielte Menschenfeind darüber auf, dass es sich bei dem Film keinesfalls um ein "feelgood-movie" handele. Für den zynischen Nihilisten mag das stimmen, für uns nicht, gibt uns die im besten Sinne schlichte Komödie "Whatever Works" doch wunderbar bissige Anregungen, wie wir im Leben unser kleines Glück erlangen können - unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Zufalls. Also ein idealer Film zur Vorbereitung auf das oft so verlogene Weihnachtsfest im Kreise der Lieben oder auch auf die verkrampfte Silvester-Party, über die Boris gegen Ende des Films sinniert, was die Leute an Silvester eigentlich feiern würden: ein Jahr näher am Grab?


Dieses Weltbild des unbelehrbaren Professors wird zum ersten Mal erschüttert, als ihn vor seiner Wohnung in New York die blutjunge Ausreißerin Melody anspricht. Allen, der seine Musen wechselt wie andere Leute ihre Unterhosen, besetzt die Rolle der frappierend naiven Südstaaten-Lolita diesmal mit der erblondeten "Wrestler-Tochter" Evan Rachel Wood. Die zwei Minuten, die er ihr in seiner Wohnung gewährt, münden ein Jahr später in einer Ehe, die ungleichgewichtiger nicht sein könnte. Dies entspricht aber genau der Lebensphilosophie des neuerlichen Alter Egos Woody Allens, dass wir alles, was nur irgendwie in diesem sinnlosen schwarzen Chaos funktioniert, begrüßen sollten. Doch immer wieder klopft das Schicksal an die Tür: Zum Beispiel in Gestalt von Melodys Eltern, der hinreißenden Patricia Clarkson als Landei - und später erotische Collagen produzierenden New Yorker Künstlerin - Marietta und deren schwulem Ex-Ehemann John, die das Chaos noch einmal kräftig durchmischen ...

Mit diesem Film, der auf einem dreißig Jahre in Allens Schublade vor sich hin vegetierenden Drehbuch mit brillanten Dialogen beruht, ist der ewige Hornbrillenträger - nach vier Filmen in Europa - in seine magische Heimatstadt New York zurückgekehrt, die in der Lage ist, Menschen zu etwas Glücklicherem zu transformieren.

Whatever Works (USA 2009; R: Woody Allen; D: Larry David, Evan Rachel Wood; 03.12.)