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USA 2007

Darjeeling Limited

Für Wes Andersons "Darjeeling Limited" ist der Weg das Ziel. Das nicht ganz ironiefreie Drama um drei Brüder auf der Suche nach dem Sinn ihrer Suche ist ein Ausstattungsfilm par excellence.
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Für Wes Andersons "Darjeeling Limited" ist der Weg das Ziel. Das nicht ganz ironiefreie Drama um drei Brüder auf der Suche nach dem Sinn ihrer Suche ist ein Ausstattungsfilm par excellence. Und mal wieder ein Grund zum Lachen, Weinen und Gähnen.

Ein Film von Wes Anderson ist immer eine Kampfansage an filmische Konventionen. Mit ihm gönnt sich Hollywood einen extravaganten Regisseur, verantwortlich für skurrile Familiengeschichten mit unverwechselbarer Handschrift, denken wir an "Die Royal Tenenbaums" oder "Die Tiefseetaucher". Die einen feiern seine emotions- und kunstvollen Werke, bei anderen rufen die gekünstelten Dialoge und überzeichneten Beziehungen Gähnattacken hervor. "The Darjeeling Limited" bildet keine Ausnahme. Das Drehbuch schrieb Anderson gemeinsam mit Jason Schwartzman und Roman Coppola. Die drei sind im Zug durch Rajasthan gereist und haben wohl gedacht: "Wir haben hier die Chance, eine einschneidende Erfahrung zu machen - und die haben wir auch nötig!"

Genau so begrüßt im Film Francis seine zwei Brüder im "Darjeeling Limited". Ein Jahr nach der Beerdigung des Vaters möchte er die Familie wieder zusammenführen und mit Jack und Peter zur Mutter reisen, die als Nonne in einem Kloster im Himalaya lebt. Die drei Whitman-Brüder sind vom Leben gezeichnet: Francis ist ein notorischer Kontrollfreak und läuft wegen eines schweren Verkehrsunfalls mit einer Gesichtsbandage herum; der selbstmitleidige Peter (dargestellt vom rehäugigen Adrien Brody) wird Vater und nutzt die spirituelle Reise, um vor der bevorstehenden Verantwortung zu fliehen; Frauenheld Jack haut auch immer wieder von seiner Ex-Freundin (der schönen Natalie Portman) ab. Doch bei jedem Halt des Zuges hört er ihren Anrufbeantworter ab. Letztendlich bringt sie der spirituelle Trip natürlich weder der Mutter noch ihrem Seelenheil näher.

Erwähnenswert ist vor allem Andersons "Liebe zum Detail". Verdammt bunt ist dieses Indien, die Kopftücher gülden und die Häuser knalltürkis. In den Nebenrollen entdecken wir Andersons Lieblings-Schauspieler Bill Murray und Anjelica Huston. Der exquisit ausgesuchte Soundtrack kommt u. a. von Joe Dassin, den Kinks, Ravi Shankar und den Rolling Stones. Aber das lenkt zu keinem Zeitpunkt von der Ironie ab, mit der Anderson seine Geschichte erzählt: Die Whitman-Brüder betonen ständig, dass sie auf einer spirituellen Reise sind, während sie in Armani-Anzügen und mit Louis-Vuitton-Gepäck rumlaufen. Besser kann man die trendige Sinnsuche im westlichen Kapitalismus nicht persiflieren.

Darjeeling Limited (USA 2007; R: Wes Andersen; D: Owen Wilson, Jason Schwartzman, Adrien Brody; Fox Home)