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Preis für Pupskultur

Daniel Scheinert über »Swiss Army Man«

Das Regie-Duo Daniels dreht Musikvideos für Battles, Tenacious D, The Shins und viele weitere Künstler. Ihr erster Spielfilm ist eine Insel-Romanze zwischen einem Lebenden und einem Toten. Lars Fleischmann sprach mit Daniels-Hälfte Dan Scheinert über seine Zusammenarbeit mit Regie-Partner Dan Kwan und über die Filmbeziehung zwischen Paul Dano und Daniel Radcliffe.
Geschrieben am
In »Swiss Army Man« ist Paul Dano allein auf einer einsamen Insel, bis der tote Manny angespült wird. Würdest du einen furzenden und spuckenden Leichnam mit auf eine einsame Insel nehmen
Klar, ich hätte gerne einen Manny an meiner Seite, falls es mich jemals dorthin verschlägt. Obwohl er ja schon ein bisschen eklig ist. Wir haben »Swiss Army Man« übrigens für Leute gemacht, die Fürze doof finden. Das Publikum soll nicht darüber lachen. Es ist ein Furz-Drama, keine Comedy. Nur um das klarzustellen.

Kommt man eher auf so eine absurde Konstellation zwischen zwei Leuten, wie die zwischen Hank und Manny auf der besagten Insel, wenn man die Story zusammen schreibt?

Es ist ein Wunder, dass Dan Kwan und ich überhaupt etwas produziert haben. Dan und ich würden jeder für sich komplett unterschiedliche Spielfilme machen. Aber wir wissen nun, wie es zusammen funktioniert: Sobald einer etwas gefunden hat, das den anderen zum Lachen bringt, untersuchen wir die Quintessenz des Witzes.

Habt ihr beim Schreiben schon gezielt nach einer ungewöhnlichen Story gesucht, für die es keine Referenzen gibt? 

Kwan und ich hätten wahrscheinlich ein Problem damit gehabt, einen »normalen« Film zu drehen. Die Angst, etwas was zu schreiben, was sich vorher schon jemand so ähnlich ausgedacht hat, ist dafür bei uns zu ausgeprägt. Deswegen schaut man sich an, was andere gemacht haben – und treibt es auf die Spitze.

Wie habt ihr Daniel Radcliffe von der merkwürdigen Rolle der angeschwemmten Leiche überzeugt?

Wir hatten zuerst Paul Dano für die Rolle des Hank gecastet, und ihn gefragt, mit wem er gerne spielen wolle. Pauls Antwort lautete: Daniel Radcliffe. Daraufhin schickten wir Daniel unser Skript. Die Herausforderung, den ganzen Film über eine Leiche zu spielen, hat ihn wohl gereizt. Er fragte auch sofort, ob er alle Stunts selbst drehen kann. Er meinte die Stürze.

Durfte er sie drehen oder wurde mit Doubles gearbeitet?

Für die Berg- und Sturzszenen hatten wir Body-Dummys. Dazu ein Model von Radcliffes Hintern, aus dem wir viel Luft entweichen lassen konnten. Für die Erektion stand am Set ein Animatronic bereit, den wir live steuerten.
Paul Dano durfte sich seinen Filmpartner sozusagen aussuchen – war die Atmosphäre am Set sehr intim?
Klar, Paul und Daniel waren sich ganz nah. Aber die Stimmung war auch ausgelassen. Die Dreharbeiten zu »Swiss Army Man« haben einfach Spaß gemacht. Im Vorfeld hatten wir uns noch sehr ernsthaft mit Rom-Coms auseinandergesetzt. Aber sobald so ein »Leichnam« den Berg runtergeschmissen wird, müssen halt alle lachen.

Wart ihr überrascht, als ihr den Preis für die beste Regie auf dem diesjährigen Sundance Film Festival gewonnen habt?
Nein, eigentlich nicht. Die Resonanz aus dem Publikum war schon sehr gut. Die Kritiker waren … eben kritischer. Irgendwo hieß es, die Leute hätten die Vorführung reihenweise verlassen, weil eine furzende Leiche eine der Hauptrollen spielte. Da war wohl der Wunsch nach einer guten Schlagzeile Vater des Gedankens. 
»Swiss Army Man« (USA 2016; R: Daniel Kwan, Daniel Scheinert (Daniels); D: Paul Dano, Daniel Radcliffe, Mary Elizabeth Winstead; Kinostart: 13.10.16)