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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Comiczeichner beziehen Stellung

Bildkorrektur gegen »besorgte Bürger«

Der Blog Bildkorrektur hat die Top15 der »Besorgten-Bürger-Ängste« illustriert, um Stimmungsmache mit Fakten und Farben zu entkräften. Wir haben mit Mawil (u.a. »Kinderland«), einem der beteiligten Zeichner, über das Projekt gesprochen.
Geschrieben am
Bildkorrektur möchte »15 Gründe keine Angst zu haben« liefern. Was denkst du, woher kommt diese Stimmung der Angst vor dem Fremden, vor Flüchtlingen?
Auf der Welt sieht‘s im Moment so aus, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Jeder hat Angst zu den Verlierern zu gehören, schielt nach oben und tritt nach unten. Dabei sind wir hier so sicher und gut situiert wie sonst nirgends auf der Welt. Wenn wir alle ein wenig abgeben, ist viel mehr für alle da, als wenn sich jeder um den kleinsten Luxus streitet.


Ihr, die Mitwirkenden an Bildkorrektur, nennt euch »die bunte Seite der Macht«. Wie darf man dieses Motto verstehen?
Die dunkle Seite schürt Ängste, produziert Hass und will Mauern wieder auftreten. Wir bekämpfen diese Ängste mit Fakten und diese Fakten sind bunt, vielseitig und unterhaltsam.
 

Wie ist das Projekt entstanden?

Die Illustratorin Alex Klobouk hatte die Idee, alle ihre Zeichnerkollegen anzufragen. Wir haben uns dann mehrmals in großen und kleinen Runden getroffen und überlegt, wie wir als Zeichner am besten helfen können und wie so etwas aussehen kann.

»Zahlen sind langweilig«, heißt es auf eurer Seite in der Beschreibung des Projekts. Welchen Vorteil haben demgegenüber Illustrationen und Cartoons, um derartige Sachverhalte darzustellen?
Wir können an den Zahlen und Sachverhalten nichts ändern und vielleicht nimmt man auch Zeichnungen nicht so ernst wie Fotos, aber wir können die Situation umdeuten, auf neue Blickwinkel hinweisen und komplizierte Sachverhalte klarmachen: Irgendwo zwischen politischer Karikatur und Tortendiagramm.
Wie siehst du deine Rolle als Künstler und Illustrator bei einem gesellschaftspolitischen Thema wie der Flüchtlingsfrage?
Es gibt eine Menge Themen, vor allem politische, da halte ich mich lieber raus, da kann jeder seine Meinung haben. Aber hier haben wir diese Jahrhundertsituation und da muss man einfach menschlich handeln, so schrecklich kitschig das klingt. Ich kann ja als Comiczeichner nicht nur unterhalten, sondern auch informieren. Sozusagen »info-tainen«.
 

Aktuell zeigt sich am Beispiel der Geschehnisse am Kölner Hauptbahnhof an Silvester, wie schnell Ängste instrumentalisiert werden, um Stimmung zu machen. Dabei spielen insbesondere soziale Netzwerken eine wichtige Rolle. Wie beurteilst du das, was sich in Kommentarspalten an Hass, Angst und Unwissen ballt? Wie kann man diesem Phänomen begegnen?
 
Einerseits ist es interessant, dass heute Informationen und Meinungen nicht mehr nur von wenigen großen Zeitungen verbreitet werden, sondern dass es viele kleine Informations- und Meinungsströme im Netz gibt. Umso wichtiger ist es dann aber auch, nicht mehr jede gedruckte oder gepostete Information wie früher als offiziell anzusehen, sondern sich umso kritischer mit diesem Informations(über)fluss auseinanderzusetzen und zwischen Information und Meinungsmache genau zu unterscheiden.
 

Sind anknüpfend an Bildkorrektur weitere Aktionen geplant, um Ängste abzubauen und zu informieren? Engagierst du dich abseits des Blogs für Flüchtlinge?

Wir werden auf jeden Fall noch weitere Ängste illustrieren müssen - der Bildkorrekturblog hat gerade erst gestartet. Aber wir werden die Welt nicht nur mit happy Facebook-Meldungen retten können. Viele meiner Freunde kümmern sich um Flüchtlinge, ich plane gerade einen Comicworkshop mit Kindern, bin aber inzwischen auch privat mit einer Handvoll Syrer befreundet. Wenn sich jeder der Pegidas mal eine Stunde mit einem Flüchtling unter vier Augen unterhalten würde, sähe die Situation hier anders aus.
   

Hier geht es zur Rezension von Mawils »Kinderland«