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Comicgemeinde vorm schwarzen Spiegel

»Super«

James Gunn dreht den subversivsten und nihilistischsten Superheldenfilm aller Zeiten: ein Kommentar auf eine Welt, in der das Superheldengenre langsam vor die Hunde geht.
Geschrieben am

Als Comicnerds und Computergeeks noch die ihnen zugewiesenen Plätze in der Ecke der Schulmensa kannten, konnte man sich der romantischen Vorstellung hingeben, hier würden bessere Menschen von tumben Hools unterdrückt. Der Einfluss der Eierkopfbrigade ist inzwischen aber dermaßen gewachsen, dass keine Superheldenverfilmung mehr ohne ihr Wohlwollen an der Kinokasse besteht. Dabei zeigen die formelhaften und latent sexistischen Abenteuer von Batman und Co., dass es ihrem Publikum nicht um einen systemischen Wechsel geht, sondern auch nur um ein Stück vom biederen Lifestyle-Kuchen – von der neuen Salonfähigkeit der Selbstjustiz ganz zu schweigen.

»Super« macht ungefähr da weiter, wo »Kick-Ass« in letzter Sekunde zurückgezogen hat, und hält der Comicgemeinde einen ausgesprochen schwarzen Spiegel vor. Die Low-Budget-Produktion handelt von einem soziopathischen Stubenhocker, der zum Vigilanten wird, nachdem ihn seine Frau verlassen hat. Crimson Bolt, wie er sich fortan nennt, ist mit einer Rohrzange bewaffnet und ahndet Verbrechen aller Art – zeitnah und mit wenig Augenmaß. Sein obligatorischer Sidekick wird von Indie-Darling Ellen Page dargestellt, die im ähnlich gelagerten »Hard Candy« schon einmal die Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet hat.

»Super« geht allerdings noch eine Stufe weiter – als wäre die Realität nachhaltig in eine Comicwelt eingebrochen, die ihre Fans bereits nicht mehr als solche erkennen.

Den moralisch stubenreinen Heldentaten der maskierten Rächer stellt Regisseur James Gunn eine blutrünstige und nihilistische Variante gegenüber, die wenig subtil von der Verführbarkeit ihrer Zielgruppe erzählt. Derlei kritische Botschaften werden heutzutage gewöhnlich in einem Feuerwerk von Gags, Effekten und mitunter gegenläufigen Aussagen verpackt, damit man sich hinterher auf seine subversiven fünf Minuten rausreden kann. Aber »Super« will von all dem nichts wissen. Hier ist jedes Lachen eine allergische Reaktion auf ein Genre, das für jeden Alan Moore ein paar Frank Millers hat, die zunehmend den Ton angeben.



Intro empfiehlt: »Super – Shut Up, Crime!« (USA 2010; R: James Gunn; D: Rainn Wilson, Ellen Page, Kevin Bacon; Koch Media)

Als Comicnerds und Computergeeks noch die ihnen zugewiesenen Plätze in der Ecke der Schulmensa kannten, konnte man sich der romantischen Vorstellung hingeben, hier würden bessere Menschen von tumben Hools unterdrückt. Der Einfluss der Eierkopfbrigade ist inzwischen aber dermaßen gewachsen, dass keine Superheldenverfilmung mehr ohne ihr Wohlwollen an der Kinokasse besteht. Dabei zeigen die formelhaften und latent sexistischen Abenteuer von Batman und Co., dass es ihrem Publikum nicht um einen systemischen Wechsel geht, sondern auch nur um ein Stück vom biederen Lifestyle-Kuchen – von der neuen Salonfähigkeit der Selbstjustiz ganz zu schweigen.[ad]»Super« macht ungefähr da weiter, wo »Kick-Ass« in letzter Sekunde zurückgezogen hat, und hält der Comicgemeinde einen ausgesprochen schwarzen Spiegel vor. Die Low-Budget-Produktion handelt von einem soziopathischen Stubenhocker, der zum Vigilanten wird, nachdem ihn seine Frau verlassen hat. Crimson Bolt, wie er sich fortan nennt, ist mit einer Rohrzange bewaffnet und ahndet Verbrechen aller Art – zeitnah und mit wenig Augenmaß. Sein obligatorischer Sidekick wird von Indie-Darling Ellen Page dargestellt, die im ähnlich gelagerten »Hard Candy« schon einmal die Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet hat.
»Super« geht allerdings noch eine Stufe weiter – als wäre die Realität nachhaltig in eine Comicwelt eingebrochen, die ihre Fans bereits nicht mehr als solche erkennen. Den moralisch stubenreinen Heldentaten der maskierten Rächer stellt Regisseur James Gunn eine blutrünstige und nihilistische Variante gegenüber, die wenig subtil von der Verführbarkeit ihrer Zielgruppe erzählt. Derlei kritische Botschaften werden heutzutage gewöhnlich in einem Feuerwerk von Gags, Effekten und mitunter gegenläufigen Aussagen verpackt, damit man sich hinterher auf seine subversiven fünf Minuten rausreden kann. Aber »Super« will von all dem nichts wissen. Hier ist jedes Lachen eine allergische Reaktion auf ein Genre, das für jeden Alan Moore ein paar Frank Millers hat, die zunehmend den Ton angeben. 

(USA 2010; R: James Gunn; D: Rainn Wilson, Ellen Page, Kevin Bacon; Koch Media)

James Gunn

Super - Shut Up, Crime! [Blu-ray]

Release: 09.01.2015