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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

An der Uhr gedreht

»Cobain: Montage Of Heck«

Ab heute, Donnerstag, 9. April, für kurze Zeit im Kino: Brett Morgens Dokumentation zeigt Archiv-Aufnahmen aus allen Lebensphasen von Kurt Cobain und mischt sie mit Perspektiven auf seine Zeichnungen, Gedichte, Skulpturen, Mix-Tapes und die eigene Musik. Eine Biopic-Collage als finale Hommage.
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Man hätte meinen können, Leben und Werk Kurt Cobains seien schon zu Genüge dokumentiert beziehungsweise ausgeschlachtet worden. Hat man nicht sogar seine Tagebücher veröffentlicht? Man hat. Wie sehr also kann man jemanden postum sezieren, dem selbst nichts wichtiger war als (seine) Musik? Kurz nach den Würdigungen zum zwanzigsten Todestag Cobains im letzten Jahr, gibt es nun für kurze Zeit eine autorisierte Dokumentation im Kino zu sehen, die Einblicke in den Alltag der Ikone verspricht, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Es geht in Brett Morgens »Montage Of Heck« nicht um Erklärungen für Kurt Cobains Selbstmord am 5. April 1994. Doch schwingt die Frage nach dem »Warum« immer mit, wenn man sich gut zwei Stunden mit den Ideen und dem Output eines Künstlers befasst, der gegen sein Willen zum Messias einer ganzen Generation auserkoren wurde, bevor er als »der erste MTV-Tote« in die Geschichte einging, wie Spex damals provokant titelte – und dessen letzte Stunden bereits Thema des frei assoziativen Spielfilms »Last Days« von Gus Van Sant waren.  

»Montage Of Heck« bietet einiges, was den Hardcore-Fans Gänsehaut über den Rücken jagen dürfte. Familienmitglieder sprechen vor der Kamera über Kurts Kindheit. Dazu benutzt Brett Morgen in Abstimmung  mit Courtney Love sowie der gemeinsamen Tochter, Frances Bean Cobain, jede Menge private Filmaufnahmen. Sie reichen von den Tagen als Dreikäsehoch in Aberdeen, Washington bis zu den Heroin-seligen Zeiten, als Frances Bean noch in die Windeln machte, während Kurt und Courtney Wir-sind-die-Sid-und-Nancy-des-Grunge-und-nicht-die-Yoko-und-John-der-Neunziger-Homevideos drehten. Darüber hinaus erweckt der Regisseur Cobains Zeichnungen zum Leben, animiert Biografisches in Comic-Sequenzen, spielt im Soundtrack mit Nirvana-Songs, und lässt Bandkumpel Krist Novoselic zu Wort kommen. Selbstverständlich hat er auch Ausschnitte aus dem MTV-Unplugged-Gig in seine Collage gewebt.
 Ob der ganz junge Kurt Cobain besonderes »kreatives Potenzial« erkennen ließ, wie die Ankündigung verlautbart, sei dahingestellt. Eine merkwürdige Erkenntnis nach »Montage Of Heck« ist allerdings, dass der kleine Bub aus Aberdeen den erwachseneren Eindruck macht als der Twentysomething Kurt Cobain auf dem Höhepunkt seiner Karriere – außer in dem Moment, in dem er sich live in die eigenen Songs vertieft. Es ist empfehlenswert, das anzuschauen, und sich ein Bild davon zu machen, wie viel die Idee von Rock ‚n’ Roll mit individuellem Nonkonformismus, und wie wenig diese Haltung mit einer »Revolution« zu tun hat. Im Abspann wird das Publikum mit einem letzten Gänsehaut-Erlebnis belohnt, bevor Brett Morgen im Bonus-Interview seine Motive erläutert. Schuld am Kribbeln ist natürlich ein Song.  

»Cobain: Montage Of Heck«, USA 2015, R: Brett Morgen

Cinemaxx bringt den Film am 9. und 10. April auf die Leinwand. Tickets und weitere Infos zu den Vorführorten findet ihr hier: www.cinemaxx.de/cobain

Aufgrund der großen Nachfrage wird ein Zusatztermin am 16. April stattfinden, für den wir je 1x2 Tickets pro Stadt (Hamburg, Berlin München) verlosen. Einfach in das Formular eintragen und mit etwas Glück seid ihr dabei!


Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 13.04.2015. Rechtsweg ist ausgeschlossen.