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IL 2005

Close To Home

Eine kleine Kabine macht der israelische Film “Close To Home” zum Schauplatz eines ganz alltäglichen Nahost-Konfliktes. An einem Grenzposten zwischen Ost- und West-Jerusalem durchsucht die 18-jährige Soldatin Smadar die persönliche Habe einer Frau arabischer Herkunft. Unter dem strengen Blick ihrer
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Eine kleine Kabine macht der israelische Film “Close To Home” zum Schauplatz eines ganz alltäglichen Nahost-Konfliktes. An einem Grenzposten zwischen Ost- und West-Jerusalem durchsucht die 18-jährige Soldatin Smadar die persönliche Habe einer Frau arabischer Herkunft. Unter dem strengen Blick ihrer Kommandantin muss sie mit sichtbarem Unwillen sogar auf dem Grund von Zigarettenschachteln nach gefährlichen Gegenständen fahnden. Als Smadar später bei ihren Patrouillen-Gängen durch die Stadt einmal nicht ihr Tagessoll an Pass-Kontrollen erfüllt, sagt sie zu ihrer Entschuldigung trotzig: “Ich weiß nicht, wie ein Araber aussieht.” Die ihr zur Seite gestellte Mirit weiß das hingegen ganz gut. Während Smadar und andere Kameradinnen jede Gelegenheit nutzen, um sich zum Friseur oder zum Shoppen zu verdrücken, erfüllt Mirit beflissen ihr Pensum, was für einige Spannungen sorgt. Bald jedoch wird die weibliche Odd-Couple-Geschichte (inklusive homoerotischer Untertöne) durch die Explosion einer Bombe unterbrochen. Jetzt wird’s ernst, denkt man, aber wider Erwarten beginnt kein soldatischer Entwicklungsroman mit dem Lernziel “Disziplin”. Der permanente Kriegszustand verleitet “Close To Home” nicht zu einer kulturellen Mobilmachung, sondern zu einer großen Toleranz für die Sehnsucht nach einem anderen Leben, ohne allerdings wehrkraftzersetzend zu wirken. Eine solche Freiheit nehmen sich nach der Einschätzung des US-amerikanischen Jewish Journal zahlreiche israelische Filme heraus: So regelmäßig, wie in ihnen eine Bombe detoniert, so regelmäßig zeigen sie auch von moralischen Skrupeln geplagte SoldatInnen wie Smadar.