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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Pressplay. Die Anthologie der freien Hörspielszene

Claes Neuefeind (Hg.)

Das freie Hörspiel hat es als Kunstform schwer. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender halten (GEZ-finanziert) in Produktion und Versendung ein Monopol; sonst gibt’s nur eine Handvoll engagierter freier Radios. “Komisch, wo es doch einen riesigen Hörbuchmarkt gibt”, finden Daniel Beskos, Blanka S
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Das freie Hörspiel hat es als Kunstform schwer. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender halten (GEZ-finanziert) in Produktion und Versendung ein Monopol; sonst gibt’s nur eine Handvoll engagierter freier Radios. “Komisch, wo es doch einen riesigen Hörbuchmarkt gibt”, finden Daniel Beskos, Blanka Stolze und Peter Reichenbach vom Hamburger Mairisch-Verlag und versuchen sich deswegen als Deutschlands erster Verlag für freie Hörspiele zu etablieren. Natürlich gibt es, wie es sich für eine Szene mit subkulturellen Zügen gehört, zunehmend Festivals und Wettbewerbe – z. B. Plopp! In Berlin und den Leipziger Hörspielsommer. Aber da werden die Stücke so hintereinander weggehört; man kann keins kaufen oder von einer Internetbörse downloaden. Deswegen hat Mairisch nun die erste Hörspiel-Anthologie herausgebracht. 20 Stücke, 274 Minuten, quer durch alle Genres: von klassischem Hörspiel über O-Ton-Collage und Soundscape bis hin zu Feature und Rhythmus-Freispielen. Mehrere hundert Stunden haben sich das Mairisch-Trio und Pressplay-Herausgeber Claes Neuefeind, seines Zeichens Gewinner des Hörspielnachwuchspreises der Leipziger Buchmesse 2005, für die Auswahl auf die Ohren genommen. Die ist bunt wie das Leben: Geschichten über das Dasein als Großstadtsingle und die Liebe, ein Gedankentableau über ein rätselhaftes Graffito in Berlin-Friedrichshain, eine Variation über Kontrollverlust und Stagnation, gleich zwei Stücke über die Tücken der Telekommunikation, skurrile Geschichten, fantastische und solche, die weniger inhaltlich als technisch bestechen. Wer sich in der Szene ein bisschen auskennt, wird nicht überrascht sein: Viele Leipziger und Berliner Preisträger seit 2000 sind dabei oder Leute wie Jan Exner und Nicola Bongard, die sonst eher in der freien Theaterszene unterwegs oder, wie “Surfpoet” Robert Weber, im Slammen zu Hause sind. Trotzdem: ein rundum gelungener Lauschangriff.