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In zwei Zielgruppen unterwegs

Christian Ulmen im Gespräch

Christian Ulmen ist ein Multitalent. Doch im Kino bleibt er der ewige Herr Lehmann. Den wird er auch mit der Hauptrolle in der Benedict-Wells-Verfilmung »Becks letzter Sommer« wohl nicht los. Martin Riemann spricht mit Ulmen über Rollenklischees und eine mögliche Musikkarriere.
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Christian Ulmen weiß, was er will. Schon als Kind hatte er sich in den Kopf gesetzt, für Film und Fernsehen zu arbeiten. Seitdem fiel er als pointierter Moderator, Produzent wegweisender Formate und Betreiber eines eigenen Web-TV-Senders auf. Ach ja, Schauspieler ist er auch noch. Komischerweise scheint er auf Figuren abonniert zu sein, die Probleme haben, sich im Leben zurechtzufinden und in Lethargie zu versinken drohen. Aktuelles Beispiel: »Becks letzter Sommer«, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Benedict Wells. Darin spielt Ulmen einen vom Leben enttäuschten Ex-Rockmusiker, der am Spagat zwischen Lehrerjob und Muckerfreizeit in aller Stille scheitert. Auf die Frage, warum ausgerechnet ein Macher wie er oft Typen darstellt, die ziellos durchs Leben straucheln, hat Ulmen eine verblüffend einfache Antwort parat, als wir uns beim Interview gegenübersitzen: »Das liegt an meiner ersten Rolle. Was viele Schauspieler als Schublade beklagen finde ich persönlich nicht schlimm, weil ich lieber in einer Schublade spiele, als gar nicht. Herr Lehmann hat sich eingeprägt, deshalb werde ich für ähnliche Rollen wieder besetzt.« 
Man könnte sagen, dass die Figur heute so eng mit Ulmen verknüpft ist, wie Hannibal Lecter mit Anthony Hopkins. Auch Becks lakonischer Humor weist Parallelen zu Herrn Lehmanns Mutterwitz auf. Es ist sogar möglich, dass selbst die Literaturvorlage des Films schon mit Ulmen als Besetzung im Hinterkopf entstand. »Autor Benedict Wells«, erinnert sich Ulmen, »kam schon vor ungefähr acht Jahren zu mir und sagte: ›Es gibt Interessenten für die Filmrechte an meinem Roman, und meine Bedingungen für den Verkauf sind, dass du an dem Filmprojekt beteiligt bist.‹« Ulmen fühlte sich von diesem Angebot derart geschmeichelt, dass er zusagte, ohne das Buch gelesen zu haben. Dass es um einen sympathischen Verlierer gehen würde, konnte er sich wahrscheinlich schon denken. Im Gegensatz dazu sind die Figuren, die sich Ulmen für seine eigenen Formate ausdenkt, oft eher monströs. »Ich bin quasi in zwei Zielgruppen unterwegs: ›Maria ihm schmeckt’s nicht‹-Zuschauer kennen nicht zwangsläufig Uwe Wöllner und umgekehrt. Das läuft komplett unabhängig voneinander, und beides macht mir viel Spaß.«

Spaß gemacht hat ihm auch die Zusammenarbeit mit Tobias Jundt von Bonaparte, der die Musik für »Becks letzter Sommer« schrieb. Von ihm lernte Ulmen die Melodien, die er als Musiklehrer Beck spielt. Doch obwohl er im Film überzeugend performt, wird es wohl in Zukunft nicht auch noch Musik von Ulmen geben: »Ohne tiefstapeln zu wollen: Es sind wirklich keine komplizierten Dinge, die ich da mache.« War das schon einmal ein Argument, keine Popmusik zu machen? Nun, im Herbst spielt er dafür im Film »Macho Man« die Hauptrolle. Stichwort: zwei Zielgruppen.

»Becks letzter Sommer« (D 2015; R: Frieder Wittich; D: Christian Ulmen, Nahuel Perez Biscayart; Kinostart: 23.07.)

Becks Letzter Sommer Bd [Blu-ray]

Release: 22.06.2015