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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Rechtsrock. Bestandsaufnahme Und Gegenstrategien

Christian Dornbusch, Jan Raabe

Wussten Sie, dass mehrere 100.000 CDs der neonazistischen Band Landser Verbreitung unter deutschen Jugendlichen gefunden haben, Musik, zu deren Klängen schon Menschen ermordet wurden? Dass am 25. Mai 2000 Dieter Eich sterben musste, weil rechtsradikale Skinheads nach Landser-Sound Lust bekamen, "ein
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Wussten Sie, dass mehrere 100.000 CDs der neonazistischen Band Landser Verbreitung unter deutschen Jugendlichen gefunden haben, Musik, zu deren Klängen schon Menschen ermordet wurden? Dass am 25. Mai 2000 Dieter Eich sterben musste, weil rechtsradikale Skinheads nach Landser-Sound Lust bekamen, "einen Assi zu klatschen"? Wenig später, am 12. Juni 2000, ermordete eine Gruppe Jugendlicher den Afrodeutschen Adriano Alberto. Die Kids hatten sich vorher mit Landser hochgeputscht: das "Afrika-Lied" von der CD "Republik Der Strolche". Oder wussten Sie, dass die Jacken von Alpha Industries in der rechten Szene besonders beliebt sind, weil das Logo der Firma an das SA-Zivilabzeichen erinnert? Dass die Zahl 28 auf T-Shirts und Kapuzis für "Blood & Honour" und die Zahl 88 für "Heil Hitler" steht? Dass es Anleitungen für Frauen zur "völkischen Selbstverteidigung gegen Vergewaltiger" gibt? Oder dass Songs der Zillertaler Türkenjäger auf Gymnasien von "ganz normalen" Schülern gehört werden?

Was Christian Dornbusch und Jan Raabe als Herausgeber des Buches "RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien" geleistet haben, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ihr knapp 550 Seiten starkes Werk bietet eine Fülle an Informationen, Darstellungen und Analysen. Ihnen ist es gelungen, ein praktisches Handbuch zu erstellen, das nicht nur den aktuellen Stand der Forschung zum Thema "Rechte Musik" bündelt und darstellt, sondern auch für die gezielte Recherche und als Nachschlagewerk taugt. Allein 150 Seiten Register verschaffen einen kompakten und hervorragend geordneten Überblick zu Symbolen, Bands, Fanzines und Labels der Szene. Bekleidungsmarken und Chiffren rechter Jugendkultur werden vorgestellt und entschlüsselt. Ein zusätzliches Personenregister erleichtert eine effektive Handhabung des Buches. Über 500 rechte Bands sind nach Namen, Ort und ideologischer Ausrichtung aufgeschlüsselt.

Dornbusch und Raabe, die beide schon seit langem zum Thema "Rechte Musik" forschen und publizieren, haben ein großartiges Buch herausgegeben, das dem Leser Wissen an die Hand gibt, Wissen, das wiegt wie ein harter Pflasterstein. "RechtsRock" setzt auf fundierte Recherche, Aufklärung und Transparenz. Ein Buch, das jeder besitzen sollte, der sich für Musik und Politik interessiert und der nach Möglichkeiten sucht, Rassismus, Antisemitismus und Neonazimus entgegenzutreten.

(Unrast-Verlag, 544 S., EUR 24,-)