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Des einen Leid ist des anderen Freud

Can Evrenol im Gespräch über »Baskin«

In »Baskin« erzählt Regisseur Can Evrenol die Geschichte von Polizisten, die in die Fänge eines perversen Kults geraten. Das Horror-Juwel gehört zu den zehn türkischen Filmen, die bislang auf dem US-Markt verkauft werden konnten. Martin Riemann sprach mit Evrenol über Religion, Sex und Zensur.
Geschrieben am
Ich interessiere mich für Psychoanalyse und bin großer Fan von Freud. Immer, wenn ich etwas Grauenerregendes erzähle, wird es tendenziell sexuell.
»Baskin« ist dein erster abendfüllender Spielfilm. Wie in deinen Kurzfilmen benutzt du Bilder, die an religiöse Motive erinnern. Ist Religion für dich das Grauen?
Bei dem Kult in »Baskin« geht es um Unterwürfigkeit. Da gibt es Parallelen zur Religion, aber auch zum Rockstar-Fantum. Ich verstehe jedoch, warum man den Film als religiösen Horrorfilm bezeichnet. Etymologisch gesehen stammt das Wort Islam ja auch von Unterwerfung.

Du mischst die Angst vor Unterwerfung oft mit der Angst vor Sexualität. 

Ich interessiere mich für Psychoanalyse und bin großer Fan von Freud. Immer, wenn ich etwas Grauenerregendes erzähle, wird es tendenziell sexuell. Aus diesem Grund empfinde ich Filme wie »Beim Sterben ist jeder der Erste« als zutiefst verstörend. 

»Baskin« glänzt durch visuelle Einfälle, die starke Emotionen transportieren.
Emotion und Atmosphäre – darum geht es mir. Ich bin niemand, der anderen gerne sagt, was sie tun oder denken sollen. Deswegen verpacke ich keine Botschaften in meine Filme, sondern es geht mir mehr um Form und Inhalt. Ich bewundere beispielsweise auch die Maler der Renaissance. Meine Eltern sind Architekten und hatten viele Bücher zum Thema, die ich mir als Kind ständig anschaute. Als ich älter wurde, war ich von verschiedenen Horror-Regisseuren wie Lynch, Cronenberg, Fulci, Argento und Romero fasziniert. 
Der Antagonist in »Baskin« wird von einem sehr speziellen Typ gespielt. Wer ist der Schauspieler?
Mehmet Cerrahoglu arbeitet als Parkwächter in Istanbul. Es gibt nur 15 bekannte Fälle wie ihn auf der Welt. Er leidet unter einer speziellen Hautkrankheit, die dazu führt, dass er am ganzen Körper kein Gramm Fett hat. Außerdem fehlen ihm sämtliche Zähne. Er ist nicht wirklich gebildet, konnte sich aber erstaunlich prägnant zu den Filmen äußern, die ich ihm gezeigt habe. Also habe ich ihm den Hauptcharakter auf den Leib geschrieben. Er wird der neue Michael Berryman!

»Baskin« ist in vielerlei Hinsicht ein Wagnis. Er folgt kaum den Genre-Konventionen und ist teilweise sehr blutrünstig. Gibt es in der Türkei eine Zensur für solche Filme?
Ja, aber da wir nicht, wie sonst üblich, staatliche Gelder beantragt haben, hat niemand etwas davon mitbekommen. Dann lief der Film plötzlich auf Festivals, und alle waren stolz. Es kam sogar jemand vom Kulturministerium zu mir und schüttelte meine Hand. Das war für mich bis dahin unvorstellbar.

Hier geht's zur Verlosung.

Can Evrenol

Baskin (2-Disc Limited Collector's Edition - Blu-Ray + DVD) [Limited Edition]

Release: 05.04.2016