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Ein Abschied von Hannah für Hannah

Bye Bye »Girls«

Im April lief die allerletzte Folge von »Girls« auf HBO – und auch wenn man heutzutage vielleicht drauf hoffen kann, dass es rund zehn Jahre später eine Weiterführung bei Netflix geben wird, werden wir Lena Dunhams Humor und ihre Charaktere Jessa, Marnie, Shoshanna und natürlich Hannah schmerzlich vermissen. Namensvetterin Hannah Bahl nimmt sich Zeit für einen kleinen Abschied.
Geschrieben am
  »I might be the voice of my generation. Or at least a generation« – mit diesen Worten ist Hannah mit ihrer »Girls«-Gang Jessa, Marnie und Shoshanna 2012 in unser Leben geplatzt. Und ab diesem Moment war zumindest einmal die Woche nichts mehr, wie man es sonst aus dem Fernsehen gewohnt war. Da gab es plötzlich komplexe Frauenfiguren, die harten Sex hatten, sich keinem Schönheitsideal unterwarfen und einfach sie selbst waren. In Gestalt von vier »Girls«, die sich gegenseitig nach vorne gebracht, gleichzeitig zerstört, aber immer auch gemeinsam weiterentwickelt haben. Alle zusammengehalten von Hannah und ihrer Überheblichkeit, ihrem selbstzerstörerischen Männergeschmack und all den großen und kleinen Katastrophen, die das Erwachsenwerden so mit sich bringt. Hannah war talentiert, aber auch »flawed« und kaputt, und hat das ausgiebig zelebriert – in einer Welt, in der es immer mehr darum ging und geht, dass das eigene Leben zumindest nach außen perfekt aussieht.
»Girls« hat immer den Finger in die Wunde gelegt und im Zweifelsfall noch Salz reingestreut. Am Ende der sechsten Season gibt es diesen Moment, in dem man als Zuschauer realisiert, dass Freundschaften eben nicht alles aushalten und man sich auseinanderentwickelt, dass das Leben unerwarteterweise aber trotzdem weitergeht. Das Berührendste an der Serie war immer das perfekt inszenierte Unperfekte, in dem man sich wiedergefunden hat. Die Dinge haben eben nicht funktioniert, da gab es nicht den einen Mr. Big wie bei »Sex And The City«, und man konnte die Welt auch ohne Manolo Blahniks in Turnschuhen erobern.

Wo es in anderen Serien ein Happy End gegeben hätte, steht Hannah am Ende als alleinerziehende Mutter da und ist trotzdem irgendwie über alle Umwege bei sich angekommen. Wenn einem »Girls« irgendwas beigebracht hat, dann, dass die Dinge nie so laufen, wie sie sollen, und trotzdem gut werden können. Vielleicht ist man nach dem Ende deshalb jetzt auch nicht wehmütig, weil man weiß, dass es für diese Charaktere trotzdem weitergeht, schließlich sind wir alle in diesem verwirrend komplexen und schönen Leben mal Hannah, Shoshanna, Marnie oder Jessa.

Lena Dunham

Girls - Die finale Staffel [2 DVDs]

Release: 12.10.2017