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Ein Leben in Rosa

BUTT Book

Kopiert zu werden ist häufig ärgerlich, meist jedoch eine Auszeichnung: Das BUTT Magazine, das sich Gert Jonkers und Jop Van Bennekom vor fünf Jahren in Amsterdam ausgedacht haben, wurde von einer ganzen Reihe schwuler Zineasten zum Anlass genommen, ebenfalls “Fagazines” zu starten. Ob diese nun The
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Kopiert zu werden ist häufig ärgerlich, meist jedoch eine Auszeichnung: Das BUTT Magazine, das sich Gert Jonkers und Jop Van Bennekom vor fünf Jahren in Amsterdam ausgedacht haben, wurde von einer ganzen Reihe schwuler Zineasten zum Anlass genommen, ebenfalls “Fagazines” zu starten. Ob diese nun They Shoot Homos Don’t They, Scum Bag Fag Mag oder Pablo Internacional heißen: Das Format fiel stets ähnlich aus, ebenso der Ansatz, zwischen dem Alt-68er-Mief schwuler Stadtmagazine und dem Hochglanz-Trash von Attitude eine eigene, nun ja, “coole” Nische zu besetzen – mit viel Brustpelz, wenig Muskelkult, zotigen Interviews und gesunder Selbstironie. Natürlich schaut auch der Mainstream-Markt längst genau hin: Zuletzt gab es sogar in Magazinen zur Fußball-WM auf rosa Papier gedruckte, nahezu identisch gestaltete Layouts.

Das BUTT Book, das nun im Taschen Verlag erscheint, versammelt ein Best-of der bislang erschienenen Ausgaben von BUTT und konzentriert sich dabei nicht weiter überraschend auf die schwulen “big names” – was etwas schade ist. Denn auch wenn es natürlich Spaß macht, Viktor & Rolf beim Klönen mit Rufus Wainwright zu belauschen oder dabei zu sein, wenn Michael Stipe sich von Wolfgang Tillmans nicht nur interviewen, sondern auch gleich noch im Bademantel fotografieren lässt: Am köstlichsten in BUTT sind stets die Leserbeiträge in der Sektion “Buttstuff” – ein Format, das Jonkers und Van Bennekom selbst aus der Homozine-Legende Straight To Hell abgeschaut haben und in dem sich neben Rezepten für “Butt Cakes” Berichte über herrlich entgleiste Sexerlebnisse finden.

Vermutlich liegt es am Buchformat: Die revolutionärste Idee, mit der BUTT vor fünf Jahren auf den Markt trat, wird im BUTT Book völlig ausgeblendet: die der autoritären Behandlung der Anzeigenkunden. Wer anfangs in dem Heft werben wollte, musste die Gestaltung der Anzeige den Chefs in Amsterdam überlassen. Die druckten dann meist einfach ein Logo auf eine leere Seite. Ein fantastisches Konzept – das ökonomisch wohl zu halsbrecherisch war, um sich durchhalten zu lassen. Und das dementsprechend von niemandem kopiert wurde.