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Buck Will Tear Us Apart

Same Same But Different

Detlev Buck hat sich an einem echten Liebesfilm versucht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Geschrieben am
Detlev Buck spielte nicht nur im letzten Haneke-Film einen protestantischen Vater, der ein gestrenges Auge auf das Liebesleben seiner Tochter wirft, er hat sich nun als Regisseur an einem echten Liebesfilm versucht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Detlev Bucks charmanter Kinostreich "Same Same But Different" borgt seinen eigentümlichen Titel aus dem sogenannten "Tinglish" - dem von den Thai gesprochenen Englisch. Die Redewendung passt wunderbar auf diese wahre (!) Liebesgeschichte zwischen der jungen kambodschanischen Prostituierten Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) und dem Rucksacktouristen Ben, gespielt von dem ewig guten deutschen Jungen David Kross: Buck erzählt diese - unglaubliches Schnulzenpotenzial in sich bergende - Geschichte kitschfrei und lakonisch (eben same same but different), wodurch sich sein Liebesfilm wohltuend von anderen Filmen mit ähnlicher Thematik abhebt.

Buck beginnt dramaturgisch geschickt damit, dass Ben und Sreykeo, aus deren Urlaubsflirt eine Art Fernbeziehung geworden ist, zwischen Hamburg und Phnom Penh skypen. Sreykeo teilt Ben mit, dass sie HIV-positiv getestet worden sei. "See you next life", spricht das Mädchen noch in die Kamera, bevor sie die Verbindung unterbricht. In einer Rückblende erfahren wir nun, wie die beiden sich getroffen haben: Ben und Ed wollen nach dem Abi in Kambodscha so richtig die Sau rauslassen. Sie schießen mit Raketenwerfern herum und dröhnen sich in den berüchtigten "killing fields" mit Koks zu. Doch eines Nachts, im Drogenrausch, lehnt Sreykeo in einer Bar ihren Kopf an Bens Schulter. Sie verlieben sich ineinander. Ben lernt ihre Familie kennen, für die sie Geld anschaffen muss. Zurück in Hamburg, erfährt Ben von ihrem positiven Aids-Test und reist umgehend nach Phnom Penh, um ihr Medizin zu organisieren. Bald schon bessert sich ihr Gesundheitszustand, doch jetzt kommen auf das frisch verliebte Paar ganz andere Probleme zu: Sreykeo möchte Ben heiraten, der aber fühlt sich zu jung.


Buck, der schon immer mal einen reinen Liebesfilm drehen wollte, stellt die Beziehung der beiden pathosfrei in den Mittelpunkt. Weder das exotische Setting noch die HIV-Krankheit von Sreykeo werden zum Druck auf die Tränendrüse missbraucht. Der Soundtrack von Rammstein bis Miss Kittin unterstreicht das abgeklärte Lebensgefühl einer Generation in einer globalisierten Welt ... Einen "Schönheitsfehler" gibt es dennoch: Weniger süße Hauptdarsteller - ganz im Sinne des echten Liebespärchens, dessen Geschichte Benjamin Prüfer in seinem Buch "Wohin du auch gehst" erzählt - hätten den Film noch weiter aus der Masse der Liebesfilme à la "Pretty Woman" herausragen lassen.

Same Same But Different (D 2009; R: Detlev Buck; D: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske; 21.01.)