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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bernstein und Hamsterrad

Buch von Martin Büsser – »Für immer in Pop«

Die im Buch »Für immer in Pop« versammelten Texte Martin Büssers handeln von Platten, die sein Leben verändert haben, der Gesellschaft, in der sie produziert wurden, und von den Künstlern, die sie gemacht haben – und wenn du genau liest, auch von dir.
Geschrieben am
Der Tag, an dem sich die Nachricht von Martin Büssers Tod in der Intro-Redaktion verbreitete, war ein verdammt trauriger. Einer dieser Anlässe, bei denen man feststellt, welch große Bedeutung bestimmte Persönlichkeiten für andere durch ihre Gedanken, Worte und Taten bekommen haben. Eine Bedeutung, die sich in Tränen oder Worten nicht ausdrücken lässt.

Dieser von Jonas Engelmann edierte Sammelband mit Texten, die der 1968 geborene Journalist, Autor, Verleger und Musiker von 1990 bis 2010 unter anderem für Zap, Jungle World, Konkret, Fabrikzeitung, Stadtrevue, Junge Welt, Intro, Opak, Spokk, Edition Text und Kritik sowie für die von ihm gegründete Testcard verfasste, vermittelt einen starken Eindruck seiner Interessen – und welche Haltung er damit verband. »Für immer in Pop« zeigt, weshalb Büsser für seine Leser, Kollegen und Freunde so wichtig war. Geschrieben hat Martin Büsser noch viel mehr, denn der Titel des Buches kommt nicht von ungefähr: Das Zitat »Für immer in Pop« stammt aus einem Song seiner Band Pechsaftha – die Worte stehen im Kontext dieses Stücks in genialer Weise für eine Position zwischen Hingabe, Selbstaufgabe, (Selbst-)Kritik und feinem Humor: »Für immer in Pop / Wie die Fliege im Bernstein / Für immer in Pop / Der Hamster im Rad / Für immer in Pop.« Alleine für sich erscheint die Zeile wiederum unglaublich passend als Inschrift – und als Erinnerung an Martin Büssers Art, Pop rund um die Uhr zu leben.

Schon im ersten Text, einem Positionspapier zur Lage der Dinge beim Hardcore-Magazin Zap im Jahr 1994, formuliert Martin Büsser eine Programmatik, der er offensichtlich treu blieb – und die sich auf die heutigen Bedingungen der schönen neuen Medienwelt weiterhin anwenden ließe: »Sich Zeit lassen. Das scheint mir immer wichtiger, als mit der Schnellpfiff-Methode auf all diesen vergänglichen Scheiß zu reagieren, der um uns herum abgeknattert wird.« Und so bohrte sich Büsser tief hinein in die Musik, in die Kunst, in die Literatur, in die Comics, die er spannend fand, und setzte sie in Bezug zu den gesellschaftlichen Verhältnissen und natürlich zum eigenen Leben. Darum bietet »Für immer in Pop« nicht nur Einblick in den Fortgang künstlerischer Szenen und einen Überblick zur Entwicklung der Popkritik in den letzten zwei Jahrzehnten, sondern beschreibt auch ein Stück weit den Weg Deutschlands vom Land, in dem Asylbewerberheime brennen, zum Land, das neben der AfD im Bundestag ganz dringend ein Heimatministerium braucht. Sowohl in der Popkritik als auch in Germany fehlt der kluge und kämpferische Linke Martin Büsser heute sehr. Es ist so richtig scheiße, dass er nicht mehr Zeit hatte, sich Zeit zu lassen.

Wir verlosen drei Exemplare des Buches. Um teilzunehmen, müsst ihr einfach Formular ausfüllen.

Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 11.03.2018. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Martin Büsser

Für immer in Pop: Texte, Artikel und Rezensionen aus zwei Jahrzehnten

Release: 15.02.2018