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Die Jüngeren. Mitschnitte aus dem Leben der 13- bis 30jährigen

Britta Hischer

“Wovor hast du Angst?” fragt Britta Mischer einen Jüngeren, der darauf antwortet: “Vor Menschen. Es gibt zu viele Leute an wichtigen Knöpfen. Auch vor dieser Gier; der Mensch ist das Gefährlichste ...” So Takn a.k.a. Hohes C, einer von den sehr verschiedenen jungen Menschen,
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“Wovor hast du Angst?” fragt Britta Mischer einen Jüngeren, der darauf antwortet: “Vor Menschen. Es gibt zu viele Leute an wichtigen Knöpfen. Auch vor dieser Gier; der Mensch ist das Gefährlichste ...” So Takn a.k.a. Hohes C, einer von den sehr verschiedenen jungen Menschen, die in “Die Jüngeren” zu Wort kommen. Da sind die teeniehaften Freundinnen Sarah und Clara, der Skin Christian oder aber die 16jährige Carmen aus Prag. Allen im Buch Vertretenen hat Britta Mischer die gleichen Fragen gestellt, die Antworten gesammelt, Fotos und anderes Material hinzugefügt und das Ganze nun in einer Art Bild/Interview-Band zusammengefasst. Einziger gemeinsamer Nenner der Befragten ist, dass sie allesamt eben zwischen 13 und 30 Jahre alt sind. Ansonsten stehen sie gleichberechtigt nebeneinander, denn Britta Mischer geht es tatsächlich weniger darum, eine soziologische Studie der heutigen Jugend vorzulegen, als vielmehr im dokumentarischen Stil festzuhalten, an welchem Punkt diese sich gerade befindet. Ihr Augenmerk richtet sich also eher darauf, dem Leser deren Vielfältigkeit und Differenziertheit vor Augen zu führen. Beim Lesen erschreckt so manches, dass beispielsweise eine 15jährige locker über ihre Erfahrungen mit Alkohol, ja ihre Alkoholabhängigkeit redet oder die 16jährige Melanie davon berichtet, wie sie Leute auf der Straße abzieht, sie verprügelt oder mal wieder von den Bullen geschnappt wird. Genauso erschreckt es, von vielen der Kinder zu lesen, dass “sie nur sich selber lieben”. Gleichzeitig findet man Sätze, die man so oder ähnlich auch hätte sagen können, als man selbst noch fünfzehn war. Beim Blättern und Lesen verbleibt dennoch ein vorwiegend bitterer Beigeschmack, denn auch wenn einen immer wieder überrascht, wie klar, pragmatisch und reflektiert all diese jungen Menschen ihre Umwelt sehen, schockiert an anderen Stellen doch ihre frühe Resigniertheit der Welt und dem Leben gegenüber, das Fehlen von Träumen, die uns so manches Mal davor bewahrt haben, zu früh die eigene kindliche Unschuld zu verlieren. Zur Zeit erscheinen erstaunlich viele Bücher, die sich im weitesten Sinne mit “Jugend” befassen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage nach Sinn und Zweck jeder einzelnen Veröffentlichung. Und: worin der momentane “Reiz” begründet liegen mag. Britta Mischer serviert uns mit “Die Jüngeren” keine pophistorische Analyse, keine Musikgeschichte im direkten Sinne und auch keine Autobiografie, wie viele ihrer Kollegen. Es ist eher eine Dokumentation, mit der sie sich, laut Infotext, eine Art Traum erfüllt hat. Die Auswahl ihrer Protagonisten scheint zufällig, wird in keine sichtbare Reihenfolge geordnet, geschweige denn kommentiert. So ist “Die Jüngeren” ein Buch zum Blättern und Schmökern, und auch wenn es für unsereins interessant ist, fragt man sich doch, wer es kaufen wird, von den “Jüngeren”, von denen es erzählt. Extrem störend ist das z. T. unübersichtliche Layout. Fragt sich, ob statt des bunten Layouts ein einfacher Satzspiegel mit Fotos nicht wesentlich wertfreier und dokumentarischer gewesen wäre. Aber vielleicht hätte es dann keiner mehr von den “Älteren” gekauft.