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Amiri Baraka

Blues People

Im ersten, im Sklavenleben, hieß Amiri Baraka echt amerikanisch Leroi Jones. Sein brillantes Buch von 1963 heißt heute wie vor vierzig Jahren “Blues People”. Nur der Untertitel variiert. In der Ausgabe des Melzer Verlages lautete die Zeile: “Schwarze und ihre Musik im weißen Amerika”; heute steht do
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Im ersten, im Sklavenleben, hieß Amiri Baraka echt amerikanisch Leroi Jones. Sein brillantes Buch von 1963 heißt heute wie vor vierzig Jahren “Blues People”. Nur der Untertitel variiert. In der Ausgabe des Melzer Verlages lautete die Zeile: “Schwarze und ihre Musik im weißen Amerika”; heute steht dort: “Von der Sklavenmusik zum Bebop”. Das trifft die Black-Music-History ins Herz. “Das schwarze Leben in Amerika ist durch und durch von Musik geprägt, im Guten wie im Schlechten”, schreibt Nelson George im Vorwort. Analytisch und inhaltlich hat das Buch nichts verloren. Abgesehen davon, dass Baraka ein lebendiges, unakademisches und militantes Werk geschrieben hat, abgesehen von der scharf beobachteten real-gesellschaftlichen Schieflage der schwarzen Menschen in White America, abgesehen vom musikalischen Swing des Textes – “Blues People” prägte ein selbstbewusstes, eigenständiges Bild der Afroamerikaner. Das Elend auf den Baumwollfeldern wanderte in die Städte, vom Sklaventum ins Lumpenproletariat. Leroi Jones blieb ein engagierter Schwarzer.

Country Blues, Mississippi Blues, Worksongs, Hollers und Chicago Blues: Authentizität spielt in seiner Untersuchung eine wichtige Rolle. Denn die Geschichte der verschleppten Afrikaner manifestiert sich musikalisch – von den Heimatklängen bis zum Bebop und Cool Jazz der Fünfzigerjahre. Kapitel wie “Der Neger als Nicht-Amerikaner” und “Der Neger als Eigentum” belegen ausführlich die Entwicklung der “Blues People”. Ein blutiger und schmerzhafter Weg, der zwar in eine formale Freiheit führte, die reale Gleichberechtigung aber bis heute nicht erreichte. Obwohl der jetzige US-Außenminister ein African-American ist, stehen die realen Lebensumstände vieler schwarzer Menschen der Normalität entgegen. Auch heute noch sieht Amiri Baraka “Blues People” als Anstoß, “und es bleibt immer noch viel zu tun, um die Musik in den Kontext eines internationalen Verständnisses und kollektiver sozialer Entwicklung und Anwendung zu rücken”, schreibt er im Vorwort zur Neuausgabe. White America eignet sich die Musik der Schwarzen immer dann an, wenn die Botschaft den Mainstream der bestimmenden Musikindustrie erreicht. Ohne Rücksicht auf Wurzeln und Entstehungsgeschichte. Das Bewusstsein dafür angeschoben und in den korrekten Kontext gelenkt zu haben ist das Verdienst dieses Buches.

Orange Press, 255 S., EUR 15,-)