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Blass, billig und in fast jeder Hinsicht trashy

»Ecstasy«

In dieser Drogenklamotte stimmt die Chemie irgendwie nicht: Die neue Irvine-Welsh-Adaption ist leider kein Film des Monats – und schon gar nicht so gut wie »Trainspotting«.
Geschrieben am

Der Trick ist, einfach alles zu vergessen, was man über diesen Film gehört und/oder gelesen hat. Am besten wäre, wir würden an dieser Stelle gar nichts verraten oder Blindtext drucken. Aber das widerspricht dem Informationsgebot. Wir sind also förmlich durch das Medium verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass es sich bei »Ecstasy« um eine von Irvine Welsh autorisierte filmische Adaption seines vierten, nach »Trainspotting« und vor »Filth« veröffentlichten Buches »Ecstasy: Three Tales Of Chemical Romance« handelt. Kaum vorstellbar, dass er diesen blassen, billigen und in fast jeder Hinsicht trashy erscheinenden Film im Vorfeld gelobt und, unvermeidlich wie unverdient, mit »Trainspotting« in einem Atemzug genannt hat. Seine auf Vimeo dokumentierte Erscheinung würden Landsleute auch als »world-weary« beschreiben – irgendwas zwischen lebensmüde und überdrüssig –, er ist nicht mehr jung, vielleicht brauchte er aber trotzdem das Geld.

Apropos: Der Regisseur Rob Heydon war zuvor bei über hundert Werbefilmchen und Videoclips für Regie und Produktion verantwortlich. Jahrgang 1970, hat sich der Kanadier natürlich in der Vergangenheit unter anderem auch als DJ betätigt, und der Soundtrack ist ohnehin nur dank seiner Kontakte und zahlreicher Freundschaftsdienste zustande gekommen. Klare Sache, der Mann kommt also direkt aus der, äh, Szene. Geld gab es nicht viel, produziert wurde in Kanada. Das soll an Hard Facts reichen. Und jetzt vergessen wir mal zumindest die Buch-Vorlage, denn viel lustiger wird der Film, wenn wir annehmen, wir sähen eine autobiografisch geprägte Parabel. Da hätten wir also den Protagonisten, der Ecstasy von Amsterdam nach Schottland schmuggelt. Und wie wird das Zeug beim ersten Mal, gleich zu Beginn des Films, durch den Zoll gebracht? Im Inneren von Filmspulen! Auch der weitere Verlauf lässt keine Zweifel daran aufkommen: Hier fehlt das Geld in allen Taschen! Im Verlauf einer vorhersehbaren Handlung verdoppelt und verzehnfacht unser blasser Hauptdarsteller (bekannt aus »Party Animal 2«) seine Schulden beim sadistischen Chef. Alles wird immer ärmlicher. Aber schließlich kommt es doch zum Happy End: Der Film läuft ab 16. August im Kino.

»Ecstasy« (CDN 2012; R: Rob Heydon; D: Billy Boyd, Kristin Kreuk, Adam Sinclair; Start: 16.08.)