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Sonderbar bis kulinarisch

Berlinale 2015

Zwischen »Better Call Saul« und »Fifty Shades of Grey«. Von der ersten autorisierten Kurt Cobain-Doku bis zur kaputtesten Liebeserklärung an Berlin aller Zeiten. Ein Überblick über das Programm der Berlinale – und unsere Highlights.
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Einen Innovationspreis gewinnt die Berlinale mit dem aktuellen Wettbewerbsprogramm nicht. Nach Wes Anderson und Richard Linklater im vergangenen Jahr, sollen 2015 die älteren Herren Publikum und Jury überzeugen: Werner Herzog und Terrence Malick. Wobei Malick zuletzt mit einer Formkrise zu kämpfen hatte. Auch bei der Wahl der Formate gibt sich die Berlinale konservativ: »El botón de nácar« (Patricio Guzmán) und »Taxi« (Jafar Panahi) sind die einzigen Wettbewerbsbeiträge, die nicht in die Kategorie Spielfilm fallen. 

Bemerkenswert ist die Wahl des Eröffnungsfilms »Nobody Wants The Night«: Mit der Filmemacherin Isabel Coixet (»Das geheime Leben der Worte«) ist endlich eine Frau dran. Erst zum zweiten Mal überhaupt in der Geschichte der Berlinale. »Die fünfzig Prozent sind bald erreicht«, erklärte Festivaldirektor Dieter Kosslick auf der Pressekonferenz – und musste selber über den Quotenwitz lachen. Coixets Abenteuerfilm handelt von einer gescheiterte Nordpol-Exkursion, in den tragenden Rollen sind Juliette Binoche (»Chocolat«) und Rinko Kikuchi (»Babel«) zu sehen. Der Film hätte doch gut das Motto für einen besonderen Wettbewerb vorgeben können: starke Frauen in Extremsituationen. Stattdessen wird »Fifty Shades of Grey« in einer Special Gala gezeigt. Einen Tag, bevor er weltweit in den Kinos anläuft. Vermutlich hat Kosslick dabei vor allem an den roten Teppich gedacht. Denn neben den beiden Hauptdarstellern Jamie Dornan (TV-Serie »The Fall«) und Dakota Johnson (»Reine Männersache«) wird Bestseller-Autorin E. L. James in Berlin erwartet. 

Richtige Stars kommen auch: Cate Blanchett, Nicole Kidman, Natalie Portman, Christian Bale, James Franco und Jury-Präsident Darren Aronofsky. 

Der wird bei seinen Entscheidungen von »Mad Men«-Erfinder Matthew Weiner unterstützt. Damit ist auch die Berlinale im »Zeitalter des seriellen Erzählens« angekommen. Als eines der ersten großen Filmfestivals widmet sie TV-Serien ein zweitägiges Special. Dort wird neben dem »Breaking Bad«-Spin Off »Better Call Saul« auch die israelische Serie »False Flag« von den Machern der »Homeland«-Vorlage »Hatufim« zu sehen sein. Übersichtlicher wird das Festivalprogramm durch solche Specials nicht. Es ist schon schwierig genug, sich in den bestehenden neun Sektionen zu Recht zu finden. Was ist nochmal dieses »Kulinarische Kino«? Also warum nicht Serien in Zukunft einfach innerhalb der bestehenden Sektionen zeigen? Produktionen wie »True Detective« haben längst bewiesen, dass sie es locker mit Kinofilmen aufnehmen können. 

Unsere Top 3 Highlights:

»Als wir träumten« (Regie: Andreas Dresen)
Clemens Meyer schrieb 2006 einen gleichnamigen Roman über eine Jungs-Clique im Nachwende-Leipzig. Den Jungs geht es darin nicht nur um Dosenbier und Techno, sondern um Freundschaft und den Glauben an das große Glück. "Der Dresen macht das schon«, zeigte sich Clemens Meyer zuversichtlich, was Andreas Dresens Verfilmung angeht. 

Der US-Filmemacher Brett Morgen hat sich trotzdem an die einzige von der Familie autorisierte Dokumentation über Kurt Cobain gewagt. Unterstützt wurde er dabei von dessen Tochter Frances Bean Cobain. Beim Sundance Filmfestival hat Brett Morgen jedenfalls schon mal erklärt: »Wir werden nie mehr von ihm bekommen als das.«

»B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin« (Regie: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange)
In »20,000 Days on Earth« gibt es eine Szene, in der Nick Cave über seine Zeit im 1980er-Jahre-Drogennebel West-Berlins spricht. Vielleicht hat das die drei Filmemacher und Journalisten Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange dazu inspiriert, alle Bild- und Tondokumenten aus dieser Zeit zusammen zu tragen, um daraus die angeblich kaputteste Liebeserklärung an Berlin zu machen.