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USA 2007

Beim ersten Mal

Der US-amerikanische Komödienregisseur Judd Apatow ließ in "Jungfrau (40), männlich sucht ..." die Hauptfigur ein halbes Leben lang warten, ehe die Triebkräfte durchbrechen konnten. In "Knocked Up - Beim ersten Mal" hadern die Protagonisten nach der unproblematischen Triebabfuhr eher mit der Arterha
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Der US-amerikanische Komödienregisseur Judd Apatow ließ in "Jungfrau (40), männlich sucht ..." die Hauptfigur ein halbes Leben lang warten, ehe die Triebkräfte durchbrechen konnten. In "Knocked Up - Beim ersten Mal" hadern die Protagonisten nach der unproblematischen Triebabfuhr eher mit der Arterhaltung. So schnell sich Ben und Alison (Seth Rogen und Katherine Heigl) nach einem Diskotheken-Abend gemeinsam im Bett wiederfinden, so schnell offenbart der Morgen danach die Unterschiede. Hier der sorglos in den Tag hinein lebende Twentysomething, dort die ambitionierte Medienfrau. Ihre Wege trennen sich schnell. Doch ein Schwangerschaftstest macht deutlich, dass die Nacht Folgen hat. Und die One-Night-Standler nutzen trotz der Warnungen aus ihren Bekanntenkreisen das knappe Zeitfenster bis zum Ablaufen der biologischen Uhr. Ob vielleicht zusammenwächst, was nicht zusammengehört?

Klingt nach dem perfekten Ausgangspunkt für den filmischen Entwicklungsroman über einen Nerd, der sich dem Ernst des Lebens stellt und darüber erwachsen wird. In so feste Tücher will Apatow seine Geschichte jedoch nicht wickeln. Schon in seinem Debüt gewann die Jungfräulichkeit in einer oversexsten und hochkomplexe Geschlechterverhältnisse ausbildenden Gesellschaft zunehmend an Attraktivität. Folgerichtig hat auch der Lifestyle Bens einiges für sich. Wenn Erfolg bedeutet, wie Jessica Simpson zu sein, es zu Beförderungen Diätkurse als Geschenk gibt und der Weg zum Kind über unzählige Gynäkologen-Besuche und Regale von Fachliteratur führt, dann stoßen berufliche und private Underachiever durchaus auf Verständnis. In diesem Sinne hält der Regisseur zu seinem Antihelden, zieht ihn eher verstohlen aus seiner Chaos-WG ab und verschafft ihm klammheimlich einen Schreibtisch-Job - sorgsam darauf bedacht, keinen Vorwand für einen Spießigkeitsdiskurs zu liefern. Dem heutzutage gängigsten Familienplanungsmodell des "Projekt-gebundenen Kindes" entspricht der Nerd-Nachwuchs dann ja auch nicht gerade.

Ähnlich wie den Filmen der Farrellys und vielen anderen besseren US-Komödien liegt "Beim ersten Mal" ein tiefer Humanismus zugrunde. Dessen Quellen sind allerdings weniger philosophischer, vielmehr ganz profaner Natur: Judd Apatow gehörte zu den Jungen, die beim Sport immer zuletzt in ein Team gewählt wurden. Die Popkultur-bildende Kraft dieser Erfahrung ist nicht zu unterschätzen.